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Cohn-Bendit im Gespräch : „Nato und EU sind desorientiert“

Daniel Cohn-Bendit während einer Europa-Veranstaltung in Paris am 24. Mai dieses Jahres Bild: Reuters

Brauchen wir die Nato und die Europäische Union noch? Für den Historiker Gregor Schöllgen sind sie aus der Zeit gefallen, überflüssig. Daniel Cohn-Bendit widerspricht ihm vehement.

          13 Min.

          Herr Cohn-Bendit, dankenswerterweise haben Sie sich zu einem Interview bereit erklärt. Ich hatte Sie um einen Artikel gebeten, um Ihre Stellungnahme zu dem aufwühlenden Essay von Gregor Schöllgen in der letzten Ausgabe der Sonntagszeitung. Aber da Sie mit den Dreharbeiten zu einem Film beschäftigt sind, haben wir nun diesen Weg gewählt. Professor Schöllgen ist Historiker, Mitherausgeber der Akten des Auswärtigen Amtes, und er war über Jahrzehnte in der Diplomaten-Ausbildung tätig. In seinem Artikel nimmt er Abschied von der Nato und der Europäischen Union. Beide Institutionen sieht er in einem Zerfall begriffen, der nicht mehr aufzuhalten sei. Und er meint darüber hinaus, dass sie die Probleme zumindest zum Teil selbst hervorgebracht haben, derer sie nun nicht mehr Herr werden.

          Volker Zastrow

          Correspondent at large.

          Ich würde nicht sagen, Nato und EU sind im Zerfallsprozess. Sondern sie sind desorientiert. Weil die Welt sich verändert hat. Es ist eine einfache Feststellung, dass mit dem Ende des Kalten Krieges beide, Nato wie Europäische Union, einen Platz in der multipolaren Weltordnung finden müssen. Und sie haben dabei Schwierigkeiten.

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