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Dalai Lama : Kein Visum für Südafrika

  • -Aktualisiert am

August 1996: der Dalai Lama trifft Nelson Mandela in Kapstadt Bild: AP

Südafrika verweigert dem Dalai Lama die Einreise. Seine Anwesenheit sei „nicht im Interesse Südafrikas“, befand Präsident Motlanthe. Grund dürften handfeste finanzielle Interessen des ANC sein. Erhält Pretoria neuerdings Befehle aus Peking?

          Es sollte eine jener ebenso netten wie unverbindlichen Konferenzen werden, bei denen die ausländischen Teilnehmer sich nebenher den landschaftlichen Schönheiten des gastgebenden Landes widmen können. Thema war die Frage, welche Chancen zur Verringerung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika es gebe.

          Die Teilnehmerrunde war mit vier Friedensnobelpreisträgern hochkarätig besetzt: mit den drei Südafrikanern Nelson Mandela, Desmond Tutu und Fredrik de Klerk sowie mit dem Dalai Lama.

          Der aber erhielt von der südafrikanischen Botschaft in Indien kein Visum, weil seine Anwesenheit am Kap „nicht im Interesse Südafrikas“ sei, wie der Sprecher von Präsident Kgalema Motlanthe versicherte. Aus Protest gegen diese Ausladung sagte daraufhin zuerst Erzbischof Tutu seine Teilnahme ab, dann der ehemalige südafrikanische Staatschef de Klerk und zum Schluss auch das Friedensnobelpreiskomitee aus Oslo, womit sich das Gerangel um das Visum für das geistliche Oberhaupt der Tibeter zu einer handfesten innenpolitischen Krise in Südafrika entwickelte. Schließlich wurde die Konferenz auf ein unbestimmtes Datum verschoben.

          Auch Erzbischof Desmond Tutu empfing damals den Dalai Lama. Nun sagte er aus Solidarität seine Konferenzteilnahme ab

          Südafrika wichtigster afrikanischer Handelspartner

          Nun wird in Südafrika öffentlich die Frage gestellt, wie souverän die südafrikanische Regierung in ihren Entscheidungen noch ist. Oder anders gefragt: Erhält Pretoria neuerdings Befehle aus Peking? Die Regierung am Kap bemühte sich zwar, die Absage für den Dalai Lama damit zu begründen, dass seine Anwesenheit die Aufmerksamkeit vom WM-Gastgeberland Südafrika auf Tibet lenken würde. Doch die chinesische Botschaft in Pretoria teilte offen mit, worum es geht: Man habe die Südafrikaner „eindringlich gewarnt“, dass die Anwesenheit des Tibeters „Auswirkungen auf die bilateralen Beziehungen“ haben könnte.

          Zwar ist Südafrika der mit Abstand wichtigste afrikanische Handelspartner Chinas, wenngleich die Chinesen nicht unbedingt zu den beliebtesten Geschäftspartnern zählen. Aber es verblüffte die Nation doch sehr, dass ausgerechnet ihre Regierung, die sich international für alle möglichen unterdrückten Völker einsetzt – von der Polisario-Front in der Sahara über Palästina bis zu den Kommunalwahlen in Osttimor –, ausgerechnet vor Peking kuscht. Die Handelsbeziehungen alleine können nicht der Grund sein, denn die größten Handelspartner sind Deutschland und Großbritannien, aber es kann wirklich nicht behauptet werden, dass Südafrika nach deren Pfeife tanze.

          Finanziert China den ANC-Wahlkampf?

          Der wahre Grund für die Gefügigkeit ist wohl eher in der Regierungspartei „African National Congress“ (ANC) und den in vier Wochen geplanten Wahlen in Südafrika zu suchen. Oder genauer: in der Finanzierung des ANC-Wahlkampfs. Die Werbekampagne des ANC-Präsidenten Jacob Zuma wird offenbar zu einem großen Teil von libyschen Revolutionsführer Gaddafi, der indischen Regierungspartei „Indian National Congress“ sowie der kommunistischen Partei Chinas finanziert. Das jedenfalls behauptet die südafrikanische Wochenzeitung „Mail&Guardian“ unter Berufung auf Quellen innerhalb des ANC. Selbst von Theodoro Obiang, dem blutrünstigen Diktator des ölreichen westafrikanischen Staates Äquatorial-Guinea, soll Zuma finanzielle Zuwendungen erhalten haben.

          Gebrauchen kann er das Geld. Denn mit der neuen Partei „Congress of the People“ (Cope) des ehemaligen Verteidigungsminister Mosiuoa Lekota ist dem ANC ein ernstzunehmender Gegner erwachsen. Zudem vergeht kaum noch eine Woche am Kap ohne teilweise gewalttätige Proteste von armen Südafrikanern gegen die Unfähigkeit der Regierung, solche Selbstverständlichkeiten wie fließendes Wasser und Strom zu garantieren.

          Der ANC, der sich bereits klammheimlich von seiner gegenwärtigen Zweidrittelmehrheit im Parlament verabschiedet hat, hält mit einem aufwendigen Wahlkampf dagegen. Keine Wahlkampfveranstaltung ohne freies Essen, kein Provinztermin von Zuma, zu dem nicht ein paar Hundertschaften seiner Anhänger mit Bussen herangekarrt werden. Das kostet natürlich viel Geld – Geld, das offenbar unter anderem aus Peking kommt. Den Dalai Lama kann Zuma unter diesen Umständen einfach nicht gebrauchen.

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