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Dänemark hebt Auflagen auf : „Wir kehren nicht zum Leben vor dem 6. März zurück“

Wie viel Alltag darf wieder sein? Ministerpräsidentin Mette Frederiksen Bild: EPA

Dänemark hat früh auf das Coronavirus reagiert. Nun ist es eines der ersten Länder, das Auflagen lockert. Nach Ostern öffnen Kindergärten und Schulen wieder – aber beileibe nicht für alle Schüler.

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          Dänemark hat so schnell und konsequent auf die Ausbreitung des Coronavirusreagiert wie kaum ein anderes Land in Europa. Nun sind die Dänen auch ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht, das Land wieder vorsichtig zu öffnen. In den vergangenen Tagen hatte Ministerpräsidentin Mette Frederiksen von den Sozialdemokraten schon angedeutet,dass es nach Ostern so weit sein könnte. Am Montagabend wurde sie dann konkret:Vom nächsten Mittwoch an werden Kindergärten und Schulen bis zur fünften Klasse wieder geöffnet.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Es sei eine erste vorsichtige Phase der Öffnung, sagte Frederiksen. Sie stellte aber auch klar, dass die Dänen noch viele Monate mit Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie leben müssten.Ende Februar hatte es den ersten Corona-Fall in Dänemark gegeben, rasant stieg die Zahl der Infizierten und Anfang März bereits hatte Frederiksen hart durchgegriffen. Sie verkündete die Schließung von Bibliotheken, Schulen, Kindergärten und Universitäten. Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes, die in dieser Situation nicht gebraucht wurden, sollten zu Hause bleiben.

          Sie ordnete auch die Schließung der dänischen Grenzen an – lange bevor Deutschland oder die EU sich zu solchen Entscheidungen durchringen konnten. Die Kurve ist nun relativ flach in Dänemark. Am Dienstag wurden 4978 Infizierte und 203 Tote gemeldet; Dänemark hat 5,8 Millionen Einwohner. In den Krankenhäusern wurden 472 Menschen mit einer Corona-Infektion behandelt, die Zahl ist damit am sechsten Tag in Folge gesunken. Fachleute begrüßten in dänischen Zeitungen die vorsichtige Öffnung im Großen und Ganzen.

          „Hochriskanter Balanceakt“

          Die dänische Tageszeitung „Politiken“ sprach am Dienstag mit Blick auf die Entscheidung Frederiksens trotzdem von einem „hochriskanten Balanceakt“. Die Ministerpräsidentin ist sich dessen durchaus bewusst, sie hat in den vergangenen Tagen keinen Zweifel daran gelassen. In einem Interview am Sonntagabend hatte sie bereits gesagt, sie gehe davon aus, dass sich vieles im normalen Leben der Dänen ändern müsse. „Wir werden nicht wieder zu dem Dänemark zurückkehren, wie es vor dem 6. März gewesen ist.“ Dass man sich künftig zum Beispiel nicht mehr in Zügen oder Bussen drängen könne, wie man es gewohnt sei, oder auf einer Party eng beieinander stehe mit anderen Menschen. In der Übergangsphase müsse es außerdem neue Arbeitsmodelle geben. Man müsse etwa zeitlich gestaffelt arbeiten und sich zu unterschiedlichen Zeiten treffen.

          Am Montagabend äußerte Frederiksen, sie verstehe, dass es Eltern gebe, die vor einer Infektion Angst haben könnten. Deswegen sollten die Kinder so viel draußen sein wie möglich, in den Innenräumen solle es mehr Abstand geben und mehr Hygiene. Und wer sich nur im Geringsten krank fühle, müsse zu Hause bleiben. Die Öffnung von Kindergärten und Schulen für die unteren Klassen bedeute, sagte Frederiksen, dass manche Eltern wieder ungestört arbeiten könnten. Das sei wichtig, viele Aufgaben müssten erledigt werden. Die älteren Schüler – von der sechsten Klasse an – sollen frühestens vom 10. Mai an wieder zur Schule gehen. Bis mindestens zu diesem Zeitpunkt bleiben auch die Grenzen geschlossen. Große Veranstaltungen sind bis August verboten, auch das berühmte Roskilde-Musikfestival musste abgesagt werden.

          Wann Restaurants, oder Friseure wieder öffnen dürfen, ist offen.Schweden verschärft die Corona-Maßnahmen noch So ist der erste dänische Schritt nur ein zaghafter, und doch scheint das Königreich seinen Nachbarn im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus voraus zusein. Im Norwegen immerhin hat sich die Ausbreitung deutlich verlangsamt – ein Infizierter steckt nun rechnerisch weniger als eine weitere Person an und der Gesundheitsminister verkündete, man habe die Epidemie unter Kontrolle.

          Finnland verschärfte hingegen am Dienstag seine Grenzkontrollen und auch Schweden bereitet sich angesichts steigender Infektionszahlen auf schärfere Maßnahmen vor: Am Dienstag einigten sich die Parteien auf ein Gesetz, das der Regierung in den nächsten Monaten mehr Rechte geben soll, um kurzfristig durchzugreifen im Kampf gegen das Virus.

          Frankfurter Allgemeine Zeitung

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