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Coronavirus in Italien : Regionalpräsident Fontana kritisiert Umgang mit Infizierten

Ein Mensch in Schutzkleidung vor einem der Krankenhäuser in der italienischen Provinz Codogno, die stark von dem Coronavirus betroffen ist. Bild: Picture-Alliance

Regionalpräsident Fontana geht selbst in Quarantäne und macht die Regierung für die Ausbreitung des Virus verantwortlich. „Patient 1“ war frühzeitig aus dem Krankenhaus entlassen worden.

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          Die Bilder waren von düsterer Symbolkraft. Am späten Mittwochabend stellte der Regionalpräsident der Lombardei Attilio Fontana ein Video auf seine Facebook-Seite. Darin teilte er mit, eine enge Mitarbeiterin in seiner Behörde sei positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Bei ihm selbst und bei anderen Mitarbeitern, die mit der Kollegin eng kooperiert hätten, sei das Virus bei den einschlägigen Test zwar nicht nachgewiesen worden. Aber er selbst gehe nun, in Übereinstimmung mit den Vorschriften des nationalen Gesundheitsamtes, für zwei Wochen in die Selbstquarantäne. Sprach’s, stülpte sich eine grüne Atemmaske über und fuhr fort: „Wenn ihr mich in den kommenden Tagen so seht, erschreckt euch bitte nicht. Das bin noch immer ich, und ich werde alle Lombarden, die mit mir in Kontakt kommen sollten, vor einer möglichen Ansteckung schützen.“

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Der 67 Jahre alte Politiker, der der rechtsnationalistischen Lega unter Führung des früheren Innenministers Matteo Salvini angehört, schien sichtlich mitgenommen von dem Umstand, dass das Virus nun gewissermaßen ins Zentrum der regionalen Macht in Mailand vorgedrungen ist. Zugleich verlieh er seiner Überzeugung Ausdruck, dass die Verbreitung des Virus schon in wenigen Tagen gebremst und bald auch gestoppt werden könne.

          Fontana war in den vergangenen Tagen in Italien weit über die Grenzen der norditalienischen Region hinaus bekannt geworden, weil er sich einen heftigen Streit mit Ministerpräsident Giuseppe Conte geliefert hatte. Bei der täglichen Krisensitzung des Kabinetts in Rom mit den zugeschalteten Präsidenten der von der Epidemie besonders betroffenen Regionen im Sitz des Zivilschutzes war es am Mittwochmorgen nach übereinstimmenden Medienberichten zum Eklat gekommen. Danach soll Fontana den Regierungschef einen „Schmutzfinken“ genannt, ihn „zum Teufel“ gewünscht und sodann seine Teilnahme an der Videokonferenz abrupt abgebrochen haben.

          Grund für die Eruption war der Umstand, dass Conte in den letzten Tagen mehrfach gegenüber Medienvertretern das medizinische Personal in der Klinik von Codogno, etwa 60 Kilometer südöstlich von Mailand in der Po-Ebene gelegen, für die explosionsartige Verbreitung des Virus verantwortlich gemacht hatte. Das Klinikpersonal habe sich bei der Behandlung des als „Patient eins“ bekannt gewordenen 38 Jahre alten Mannes aus Codogno, der zuerst am 16. Februar und dann wieder am 18. Februar mit grippeähnlichen Symptomen in die Klinik gekommen war, nicht an die Vorschriften der Gesundheitsbehörden aus Rom gehalten. Fontana hat die Vorwürfe stets entschieden zurückgewiesen und fordert von Conte eine öffentliche Richtigstellung sowie eine förmliche Entschuldigung beim „heldenhaften“ Klinikpersonal. Erst nach der Intervention von Staatspräsident Sergio Mattarella konnte Fontana dazu gebracht werden, sich wieder zu der Krisensitzung zuzuschalten. Offenbar fruchten die wiederholten Appelle des Staatspräsidenten immer weniger, den gemeinsamen nationalen Kampf gegen das Virus nicht durch Parteiengezänk und Kompetenzgerangel zwischen der Zentralregierung in Rom und den Regierungsbehörden in den vom Ausbruch der Epidemie besonders betroffenen Regionen zu beeinträchtigen.

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