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Coronavirus-Krise : Spanien steht still

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Die Regionalregierung von Murcia wusste sich nicht anders zu helfen, als ein halbes Dutzend Orte am Mittelmeer mit knapp 400.000 Einwohnern abzuriegeln. Damit standen schon vor dem Regierungsbeschluss in Spanien etwa eine halbe Million Menschen unter Quarantäne. Die katalanische Regierung riegelte schon in der Nacht zum Freitag vier Orte nordwestlich von Barcelona mit 70.000 Einwohnern ab, nachdem dort die Zahl der Infektionen dramatisch zugenommen hatte.

Schon vor dem Regierungsbeschluss ging es immer mehr Spaniern wie den Einwohnern der Region um die Hauptstadt, in der mehr als 6,5 Millionen Menschen leben. Dort sind seit Samstagmorgen alle Bars, Cafés und Restaurants geschlossen. Das ist für viele noch schmerzhafter, als die Tatsache, dass kein Fußball mehr gespielt wird und die Stierkampfsaison nicht beginnt. Der morgendliche Kaffee am Tresen, die Caña Bier in der Mittagspause und die Copa Wein am Abend gehören zum Lebensstil. Am Samstag sind die Plaza Mayor und der Platz an der Puerta del Sol fast menschenleer.

Erste Hotels haben in der Hauptstadt schon geschlossen. Einige Besitzer boten schon an, ihre Häuser als Notlazarette für Infizierte mit leichteren Symptomen zur Verfügung zu stellen – andere Gäste haben sie längst nicht mehr. Die Regierung hat Nothilfen für die Tourismusbranche beschlossen, von der in der Saison Tausende Arbeitsplätze abhängig sind. Doch in den Badeorten am Mittelmeer und am Atlantik schlossen die Behörden am Samstag immer mehr Strände, um Menschenansammlungen zu vermeiden.

Das Virus stellt auch die spanische Wirtschaft, die sich erst von der letzten großen Krise erholt hatte, vor eine ihrer schwersten Belastungsproben. Neben dem Tourismus leidet die Autoindustrie. Die Fabriken von Seat, Nissan und Renault stellen ihre Produktion ein, weil der Nachschub ausbleibt. Auch dem Handel drohen empfindliche Verluste. Die größte Kaufhauskette „Corte Inglés“ schloss alle ihre Häuser und schickte ihre 80.000 Mitarbeiter nach Hause.

Dafür haben sich vor den Supermärkten lange Schlangen gebildet. In vielen Läden sind die Regale leergeräumt. Seit Tagen sind schon kein Toilettenpapier und keine Desinfektionsmittel mehr zu kaufen. Am Wochenende fehlten dann Eier und Nudeln. Bevor die Tabakläden am Freitagabend schlossen, deckten sich dort besorgte Raucher mit Notvorräten ein. Seit Samstag dürfen nur noch Zeitungskioske öffnen, um die Menschen ohne Internet mit Nachrichten zu versorgen.

Das Leben vieler Spanier ist immer virtuell geworden. Wer kann, arbeitet im Homeoffice, verfolgt auf dem Smartphone die Eilmeldungen und schreibt Kurznachrichten. Das Madrider Prado-Museum und andere geschlossene Sammlungen bieten Online-Rundgänge an. Theaterproduktionen lassen sich ebenfalls im Internet herunterladen.

Am Samstagabend riefen zwar die Glocken die Gläubigen zur Vorabendmesse. Aber die katholische Bischofskonferenz rief dazu auf, die Gottesdienste besser im Fernsehen zu verfolgen. In der Diözese Sevilla wurden die ersten Kirchen komplett geschlossen.

Das ist noch längst nicht alles. Obwohl es bis Ostern noch eine Weile dauert haben Sevilla, Málaga und Madrid und andere Städte sagten die traditionellen Prozessionen während der Semana Santa ab.  

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