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Corona-Pandemie in Italien : Ein perfekter Sturm für die Mafia?

Wehe, wem das Geld ausgeht: Verkäufer an einem Obststand in Neapel Bild: dpa

Fachleute und Verbrechensbekämpfer warnen vor einem Wiedererstarken der Clans nach der Corona-Pandemie. Schon jetzt profitiert das organisierte Verbrechen kräftig.

          3 Min.

          Marco Di Giovanni, 44 Jahre alt, betreibt gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder drei Kleiderläden in Palermo. Er hat 40.000 Euro Bankschulden. Wegen der von der Regierung in Rom zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie verfügten Schließung aller „nicht lebensnotwendigen“ Geschäfte hat er seit knapp drei Wochen keinerlei Einnahmen – und noch zwanzig Euro in der Tasche. Er weiß nicht, wovon er Lebensmittel für sich, seine Frau und die beiden zehn und 13 Jahre alten Töchter kaufen soll. Sein Girokonto ist um gut hundert Euro überzogen, seit die Bank die Kreditrate für März in Höhe von 1950 Euro abgebucht hat. Nachdem sich der Filialleiter der Bank zunächst stur gestellt hatte, scheint das Geldinstitut nun bereit, dem Kleinunternehmer die Rate einschließlich Zinsen zurückzuzahlen und über eine Stundung des Kredits zu verhandeln.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Der Sinneswandel der Bank dürfte eine unmittelbare Folge des Umstands sein, dass die Tageszeitung „La Repubblica“ über die verzweifelte Lage des Kleiderhändlers berichtet hatte. Dass dessen Geschichte kein Einzelfall ist, weiß auch die Regierung in Rom. Zudem wurde sie durch Berichte über Plünderungsversuche in Supermärkten in Palermo und anderen Städten auf Sizilien aufgeschreckt. Sie hat deshalb am Sonntag per Eilverfahren 4,3 Milliarden Euro Soforthilfe für Kleinunternehmer wie Di Giovanni bereitgestellt, dazu weitere 400 Millionen für Lebensmittelgutscheine zur Linderung der schlimmsten Not. Doch wann wird das Geld bei den Bedürftigen ankommen?

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