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Corona in der Türkei : Anwälte fordern Entlassung politischer Gefangener

  • Aktualisiert am

Soldaten bewachen Mitte Februar das Gefängnis in Silivri bei Istanbul Bild: AFP

Auch in der Türkei steigt die Zahl der Corona-Infektionen weiter an. Eine Gefahr auch für die politischen Gefangenen in den Gefängnissen – Angehörige und Anwälte sind alarmiert.

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          In der Türkei haben Angehörige von Inhaftierten und Anwälte angesichts der Coronakrise die Freilassung von politischen Gefangenen gefordert. „Alle politischen Häftlinge, denen ohne Untersuchungshaft der Prozess gemacht werden kann, und die einem hohen Risiko ausgesetzt sind, sowie alle, die unbegründet gefangen gehalten werden, müssen sofort freigelassen werden“, hieß es in einem am Donnerstag verbreiteten Text, der der Deutschen Presseagentur vorliegt. Besonders gefährdet seien Inhaftierte ab 60 Jahren, Frauen mit Kindern und chronisch Kranke.

          Der Anwalt des inhaftierten türkischen Intellektuellen Osman Kavala, Ilkan Koyuncu, kritisierte, die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Gefängnissen seien ungenügend. Neue Hygieneschriften seien erforderlich, sagte er in einem Interview mit dem Onlinemedium T24. Er befürchte zudem, dass das Besuchsrecht der Anwälte wegen der Coronakrise ausgesetzt werde. Die Vereinigung für Medien- und Rechtsstudien (MLSA) erklärte zudem, sie habe die Freilassung von sechs Inhaftierten beantragt, darunter die des Deutschen Patrick K. und von türkischen Journalisten. Kavala ist seit mehr als zwei Jahren inhaftiert.

          Patrick K. aus Gießen war Ende 2018 wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation zu einer Gefängnisstrafe von mehr als sechs Jahren verurteilt worden. Ebenfalls zu mehr als sechs Jahren wegen Terrorvorwürfen wurde die Kölner Sängerin mit dem Künstlernamen Hozan Cane verurteilt. In Untersuchungshaft sitzt zudem der Deutsch-Türke Enver Altayli (75).

          Der ehemalige Mitarbeiter des türkischen Geheimdienstes MIT war 2017 in Antalya wegen Terrorvorwürfen festgenommen worden. Sein Prozessauftakt am Donnerstag wurde wegen der Coronakrise verschoben. In der Türkei sind bislang nach offiziellen Angaben 191 Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Zwei Todesfälle aufgrund der Lungenkrankheit Covid-19 wurden bislang gemeldet.

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