https://www.faz.net/-gpf-9xt1o

Coronavirus in China : Die Hubeier dürfen endlich raus

Arbeiter in Wuhan desinfizieren einen U-Bahn-Waggon Bild: dpa

In der chinesischen Provinz Hubei hat das Virus am heftigsten gewütet. Nach zwei Monaten Blockade haben die ersten Menschen dort dagegen demonstriert. Nun sollen Gesunde wieder an ihre Arbeitsstelle dürfen.

          2 Min.

          China geht im Kampf gegen das Coronavirus einen weiteren Schritt in Richtung Normalisierung: Die Bürger von Hubei sollen ihre Provinz erstmals seit zwei Monaten verlassen dürfen. Die Aufhebung der Ausreisesperre gilt ab Mittwoch. Ausgenommen sind davon allerdings die Bewohner der Provinz-Hauptstadt Wuhan, wo die Pandemie ihren Anfang nahm. Sie sollen erst vom 8. April an wieder in andere Landesteile reisen dürfen.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Für die übrigen Ausreisenden gelten laut einer Mitteilung der Provinzregierung Einschränkungen. So sei nur jenen das Verlassen der Provinz erlaubt, die negativ auf das Virus getestet wurden. Das wird als „grüner Code“ über eine App auf dem Mobilfunk sichtbar gemacht.

          Die Aufhebung der Abriegelung ist vor allem für sogenannte Wanderarbeiter existentiell, die in anderen Städten arbeiten und während des Neujahrsfests, zu dem sie Verwandte besuchten, von der Abriegelung überrascht wurden. Viele von ihnen sind nach dem Ausfall von zwei Monatsgehältern in finanzielle Nöte geraten.

          Vereinzelt war es in den vergangenen Tagen zu Protesten in Hubei gekommen, die darauf hindeuteten, dass die Geduld und die wirtschaftlichen Reserven der Bewohner erschöpft sind. So hatten sich vor zehn Tagen Hunderte Menschen der Ausgangssperre widersetzt, um gegen die hohen Preise für Lebensmittel in der abgeriegelten Provinz zu protestieren. Offenbar plant die Provinzregierung, Wanderarbeiter nun in Bussen direkt zu ihren Arbeitsstellen zu bringen, um das Übertragungsrisiko zu minimieren.

          Auch Einreisen nach Hubei – und später auch nach Wuhan – sollen wieder erlaubt sein. Die Schulen, Kindergärten und Hochschulen in der Provinz bleiben aber bis auf Weiteres geschlossen. In Wuhan gibt es im weltweiten Vergleich eine besonders hohe Dichte an Universitäten.

          F.A.Z.-Newsletter „Coronavirus“

          Die ganze Welt spricht über das Coronavirus. Alle Nachrichten und Analysen über die Ausbreitung und Bekämpfung der Pandemie täglich in Ihrem E-Mail-Postfach.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          In der Stadt sollen erst nach und nach wieder mehr Geschäfte und Fabriken öffnen dürfen. In der vergangenen Woche war das zunächst nur ausgewählten Unternehmen genehmigt worden, zum Beispiel der für den Export wichtigen Autoindustrie. Die Stadt wurde in Zonen aufgeteilt, deren Ansteckungsrisiko danach bewertet werden, wie lange sie keine Neuinfektionen mehr registriert haben. In Regionen mit sieben infektionsfreien Tagen wurde den Bewohnern gestattet, sich erstmals seit langem frei auf dem Gelände ihres Wohnblocks zu bewegen. 

          Die Stadt bereitet derzeit eine Wiederaufnahme des U-Bahn- und Busverkehrs vor. Die Nachrichtenagentur Xinhua verbreitete am Dienstag Bilder von Mitarbeitern, die Busse und U-Bahn-Wagons desinfizierten und Schilder mit QR-Codes aufstellten, über die die Fahrgäste sich namentlich registrieren müssen, damit ihre Bewegungen und Kontaktpersonen im Falle einer neuerlichen Erkrankungen nachverfolgt werden können.

          Zu früh für abschließendes Urteil

          Am Dienstag wurde für ganz Wuhan lediglich eine Neuinfektion gemeldet. Zuvor waren mehrere Tagen hintereinander gar keine Fälle registriert worden. Die Zeitschrift „Caixin“ berichtete allerdings, dass in der Stadt weiterhin bis zu ein Dutzend Personen täglich positiv auf Sars-CoV-2 getestet würden. Da sie keine Symptome zeigten, würden sie jedoch in der Statistik nicht aufgeführt. Um zu verhindern, dass sie das Virus weitertragen, werden sie unter Quarantäne gestellt.

          Entdeckt wurden die Infizierten durch die Nachverfolgung der Kontaktpersonen von Patienten sowie durch das Testen von Hochrisikogruppen, etwa jenen, die Personen in häuslicher Quarantäne mit Lebensmitteln versorgen. Ein Verantwortlicher sagte „Caixin“, es sei noch zu früh zu beurteilen, ob die Verbreitung des Virus gestoppt sei. Die „South China Morning Post“ berichtete unter Berufung auf unveröffentlichte Daten der chinesischen Regierung, dass bis zu einem Drittel der positiv Getesteten sogenannte „stille Überträger“ ohne eigene Symptome sind.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Tod von George Floyd : Polizist bei Ausschreitungen in Oakland erschossen

          Die Gewalt in Amerika eskaliert. In Detroit wurde ein Demonstrant erschossen. In Oakland wurden laut CNN zwei Polizisten bei Ausschreitungen von Schüssen getroffen, einer starb. Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd werden immer mehr Städte zum Schauplatz von Protesten, Vandalismus und Plünderungen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.