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F.A.Z. exklusiv : Deutschland schließt vorübergehend Botschaft in Nordkorea

Darf nicht verlassen werden: die deutsche Botschaft in Pjöngjang Bild: dpa

Nordkorea hat im Kampf gegen das Coronavirus alle Ausländer unter Quarantäne gestellt. Proteste der Bundesregierung wurden ignoriert. Deshalb zieht Deutschland jetzt temporär das dortige Personal ab.

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          Deutschland schließt vorübergehend seine Botschaft in Nordkorea und zieht das dortige Personal temporär ab. Grund für die Maßnahme sei die Beschränkung der Bewegungsfreiheit für Diplomaten in Nordkorea, hieß es am Donnerstag auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aus dem Auswärtigen Amt. Pjöngjang hat aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus alle Ausländer im Land unter Quarantäne gestellt und alle Land-, Zug- und Flugverbindungen ins Ausland eingestellt. Die deutschen Diplomaten dürfen das Botschaftsgelände in Pjöngjang nicht verlassen. Ursprünglich sollte das für 30 Tage gelten, doch nun wurde die Maßnahme um mehrere Monate verlängert. „Die Bundesregierung hat ihren Protest darüber der nordkoreanischen Regierung mehrfach zur Kenntnis gebracht“, verlautete aus dem Auswärtigen Amt.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Das diplomatische Leben in Pjöngjang war schon immer reichlich eingeschränkt. Doch diesmal hat Nordkorea es offenbar übertrieben. Denn aus den Präventionsmaßnahmen gegen das Coronavirus ergeben sich Einschränkungen des diplomatischen Dienstbetriebs, die mit der Wiener Übereinkunft über diplomatische Beziehungen nicht vereinbar sind. Diplomatische Kuriere können nicht mehr entsandt werden, und die Versorgung mit Bargeld ist nicht mehr gewährleistet. Das Geld wird normalerweise von einreisenden Diplomaten mitgebracht, weil Überweisungen nach Nordkorea wegen der Sanktionen nicht möglich sind. Auch die in Nordkorea besonders wichtige Personalrotation kann nicht mehr stattfinden.

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          Gelände darf nur noch aus zwei Gründen verlassen werden

          Der russische Botschafter Alexander Mazegora klagte in dieser Woche, die Einschränkungen seien so groß, dass die Botschaft „derzeit nicht in der Lage ist, die ihr zugewiesenen Funktionen ordnungsgemäß zu erfüllen“. Es gebe nicht einmal mehr Treffen mit nordkoreanischen Staatsvertretern oder Diplomaten anderer Länder, sagte Mazegora in einem Interview mit der russischen  Nachrichtenagentur TASS. Botschaftsmitarbeiter dürften das Gelände ihrer Vertretungen überhaupt nur noch aus zwei Gründen verlassen: um dem Außenministerium Verbalnoten zu überbringen oder um Müll zu einer Deponie zu fahren. Die russische Botschaft habe nicht einmal Zugang zu Medikamenten, klagte Mazegora. Der TASS-Reporter befand daraufhin, dass die Maßnahmen einem „Hausarrest“ ähnelten.

          Ungewöhnlich detailliert für einen Botschafter beschrieb Mazegora, wie freudlos das Leben seiner Familie in Pjöngjang derzeit ist. Der Besuch der orthodoxen Kirche sei ebenso wenig möglich wie die Teilnahme am Taekwondo-Training, Schlittschuhlaufen, schwimmen gehen, zum Friseur gehen oder Einkaufen im russischen Supermarkt. „Das klingt nach Kleinigkeiten, aber daraus besteht der Alltag“, sagte er.

          Der russische Botschafter zeigte zugleich Verständnis, dass Nordkorea sich mit drastischen Maßnahmen gegen einen Ausbruch des Coronavirus in dem verarmten Land stemmt. Es sei für die nordkoreanischen Behörden nur schwer nachprüfbar, ob ein Ausländer in jüngster Zeit in China gewesen sei, wo die Ansteckungsgefahr besonders groß ist. Auch seien die Ausländerzirkel in der Stadt so eng, dass sich unter ihnen das Virus leicht verbreiten könnte. Nordkorea habe nicht „die finanziellen und die materiellen Ressourcen, um die Epidemie zu bewältigen“. Deshalb seien Isolationsmaßnahmen wohl der effektivste Weg.

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