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Corona in Amerika : Trumps neue Richtlinien

  • Aktualisiert am

Der amerikanische Präsident Donald Trump auf dem Weg zu einem Corona-Briefing im Weißen Haus Bild: dpa

Die Vereinigten Staaten melden mehr als 1400 Tote durch das Coronavirus an einem Tag. Präsident Trump kündigt ein Exportverbot für Schutzausrüstung an – und empfiehlt den Bürgern, Masken zu tragen. Er selbst wolle das aber nicht tun.

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          Die amerikanische Regierung rät entgegen der bislang geltenden Richtlinien nun auch zum Tragen von Gesichtsmasken als Maßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus. „Das ist freiwillig“, sagte der amerikanische Präsident Donald Trump am Freitagabend (Ortszeit) bei seiner täglichen Pressekonferenz im Weißen Haus. Er fügte hinzu: „Ich habe mich entschieden, es nicht zu tun.“ Die Empfehlung gelte für Masken aus Stoff, die man zum Beispiel zu Hause machen könne, nicht aber für medizinische Schutzmasken. Diese müssten dem medizinischen Personal vorbehalten bleiben. Trump betonte, die neue Maßnahme ersetze die bisher empfohlenen nicht, sondern ergänze sie.

          Die Lage in den Vereinigten Staaten aufgrund der Corona-Krise spitzt sich indes immer weiter zu. Die Zahl der Toten durch die Lungenkrankheit Covid-19 stieg innerhalb von 24 Stunden um mehr als 1400 an. Die Opferzahl lag am Freitagabend (Ortszeit) Daten der Johns-Hopkins-Universität zufolge bei 7406 – nach 5949 am Abend zuvor. Demnach sind in den Vereinigten Staaten inzwischen mehr als 275.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Nach den Daten der Universität sind die Vereinigten Staaten das am stärksten betroffene Land weltweit.

          Nach den laufend aktualisierten Berechnungen des Instituts IHME der Universität Washington in Seattle, auf die auch das Weiße Haus jüngst Bezug genommen hat, wird der Höhepunkt der Pandemie in den Vereinigten Staaten am 16. April erwartet – mit dann mehr als 2600 Toten an einem Tag. IHME prognostiziert, dass zum Höhepunkt der Krise Mitte des Monats mehr als 87.000 Krankenhausbetten in den Vereinigten Staaten fehlen werden, darunter fast 20.000 auf Intensivstationen.

          Der Kurswechsel

          Trump sagte auf die Frage eines Reporters im Weißen Haus, warum er selbst sich nicht an die neue Masken-Maßnahme halten wolle: „Ich denke, eine Gesichtsmaske zu tragen, wenn ich Präsidenten, Ministerpräsidenten, Diktatoren, Könige, Königinnen grüße, ich weiß nicht, irgendwie sehe ich das für mich selbst nicht. Sehe ich einfach nicht. Vielleicht werde ich meine Meinung ändern.“

          Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC riet gesunden Menschen ohne Symptome bislang explizit nicht zum Tragen von Masken. Der oberste Gesundheitsbeamte der amerikanischen Regierung, Vizeadmiral Jerome Adams, hatte Ende Februar auf Twitter geschrieben: „Im Ernst, Leute – hört auf, Masken zu kaufen!“ Masken seien nicht dazu geeignet, die Infektion einer breiten Masse von Menschen durch das Coronavirus zu verhindern. Ein Mangel an Masken gefährde das medizinische Personal.

          Trump hatte bereits am Donnerstag gesagt, amerikanische Bürger könnten selbstgemachte Masken oder einen Schal benutzen, um Mund und Nase abzudecken. Experten befürchten, dass eine Empfehlung zum Tragen von Schutzmasken eine verstärkte Nachfrage auslösen und damit den Mangel an Masken für Personal im Gesundheitswesen verschärfen könnte.

          Der amerikanische Präsident kündigte an, dass seine Regierung den Export knapper medizinischer Schutzausrüstung wegen der Ausbreitung des Coronavirus verbieten wolle. Verhindert werden solle etwa der Export von Atemschutzmasken des Typs N95, von Operationshandschuhen und anderen Produkten. „Wir brauchen diese Produkte sofort bei uns im Land“, mahnte er.

          Trump betonte zugleich, wenn bestimmte Länder wie etwa Spanien große Probleme hätten und längerfristige Bestellungen aufgegeben hätten, werde er solche Lieferungen nicht stoppen. Spanien ist ebenfalls schwer von der Coronakrise getroffen.

          Kritik von betroffenem Unternehmen

          Das amerikanische Unternehmen 3M, das unter anderem Atemschutzmasken herstellt, äußerte sich kritisch zu den Anweisungen aus dem Weißen Haus. Diese hätten erhebliche humanitäre Auswirkungen für bestimmte Länder. Außerdem könne der Schritt nach sich ziehen, dass andere Staaten ebenfalls den Export solcher Produkte in die Vereinigten Staaten aussetzten, was in der aktuellen Lage kontraproduktiv wäre. Trump tat die Kritik des Unternehmens ab und sagte, er sei nicht zufrieden mit 3M.

          Trump hatte im vergangenen Monat ein Gesetz aus Kriegszeiten aktiviert, um angesichts der Corona-Krise verstärkt in die Privatwirtschaft eingreifen zu können. Damit will er unter anderem die Produktion von Beatmungsgeräten und Atemschutzmasken ankurbeln. Dieses Gesetz hatte er am Donnerstag gegen 3M angewandt.

          Am Flughafen Bangkok in Thailand sollen unterdessen 200.000 Atemschutzmasken von 3M, die für Berlin bestimmt waren, in die Vereinigten Staaten umgeleitet worden sein. Berlin hatte die Masken der Schutzklassen FFP2 für Einsatzkräfte der Polizei und Pflegepersonal bei dem amerikanischen Unternehmen bestellt, das in China produziert. Die Ware soll abgefangen und in die Vereinigten Staaten gebracht worden sein.

          Der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) bestätigte am Freitagnachmittag entsprechende Berichte. „Wir betrachten das als Akt moderner Piraterie“, sagte Geisel. Auch in globalen Krisenzeiten sollten „keine Wildwest-Methoden herrschen“. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) teilte mit: „Das Handeln des amerikanischen Präsidenten ist alles andere als solidarisch und verantwortungsvoll. Es ist unmenschlich und inakzeptabel.“

          Der Ostküstenstaat New York und die gleichnamige Metropole sind derzeit am schlimmsten von der Coronavirus-Epidemie betroffen. Gouverneur Andrew Cuomo bat abermals um mehr Hilfe aus anderen Landesteilen, die derzeit noch nicht so stark vom Virus Sars-CoV-2 betroffen sind. New York sei derzeit „die Speerspitze“ und brauche Hilfe. Sobald sich die Lage beruhige, werde New York anderen stärker betroffenen Landesteilen helfen, versprach Cuomo. Er betonte: „Gegenseitige Hilfe ist die einzige Lösung.“

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