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Corona im Nahen Osten : Das Ende der Mittelschicht

Bei einer Demonstration in Beirut versuchen am 11. Mai Teilnehmer, das Wirtschaftsministerium zu stürmen. Bild: dpa

Schon seit Jahren rutscht die Mittelschicht in vielen arabischen Staaten in die Armut. Durch Corona beschleunigt sich das dramatisch. Den korrupten Mächtigen ist das ganz recht.

          3 Min.

          Es war kurz vor dem Ausbruch der Corona-Krise, als Dan Azzi in der teuren Innenstadt von Beirut auf die vorbeifahrenden Autos zeigte und sagte: „Von denen werden wir weniger sehen. Der Libanon wird werden wie andere arabische Länder.“ Der frühere Vorstandsvorsitzende der Standard Chartered Bank im Libanon wollte damit verdeutlichen, dass seine Landsleute lange über ihre Verhältnisse gelebt hätten. Viele leisteten sich afrikanische oder asiatische Hausangestellte, schickten ihre Kinder auf Privatschulen und Universitäten, reisten ins Ausland.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die korrupte politische Klasse half, den Eindruck aufrechtzuerhalten, dass es den Libanesen weit besser gehe, als zum Beispiel den Ägyptern. Der Wert der Landeswährung wurde fest an den Dollar gekoppelt, das marode Wirtschaftssystem mit einer Art Schneeballsystem künstlich am Leben gehalten. Die libanesische Zentralbank besorgte sich, vor allem bei reichen Libanesen im Ausland, auf Pump Devisen, und das gegen absurd hohe Renditen. Aber das System ist kollabiert, der Wert der Währung fällt und fällt – und immer mehr Menschen schlittern unter die Armutsgrenze.

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