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Bekämpfung des Coronavirus : Türkei schließt Grenze zu Griechenland und Bulgarien

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan spricht am Mittwoch zu Beginn von Beratungen zur Coronavirus-Krise mit seinen Ministern. Bild: dpa

Ende Februar hat der türkische Präsident Erdogan die Grenzen nach Europa für Migranten geöffnet, um den Druck auf die EU zu erhöhen. Nun sollen sie im Kampf gegen das Coronavirus abgeriegelt werden.

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          Das türkische Innenministerium hat am Mittwoch die Schließung der Grenze zu Griechenland und Bulgarien um Mitternacht angeordnet. Das geschehe im Rahmen der Bekämpfung des Coronavirus, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums. Die Anordnung erfolgte nach einer Krisensitzung zur Pandemie unter Leitung von Präsident Recep Tayyip Erdogan, nach der er sich auch an die Nation wandte.

          In der Corona-Krise hat die Türkei bislang einen Todesfall gemeldet. 98 Menschen haben sich nach offiziellen Angaben mit dem Coronavirus infiziert. Wegen der Pandemie schloss die Türkei bereits die Grenzen zum Nachbarland Iran, das zu den am stärksten von der Pandemie betroffenen Ländern weltweit zählt.

          Videokonferenz mit Merkel

          Erdogan hatte am 29. Februar die Grenzen nach Europa für die Migranten für geöffnet erklärt. Dadurch hatte er versucht, den Druck auf die Europäische Union zu erhöhen, der Türkei weitere Mittel zur Versorgung der Millionen von Flüchtlingen im Land zur Verfügung zu stellen.

          Um diese Entscheidung Erdogans ging es am Dienstag auch in einer Videokonferenz zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, dem britischen Premierminister Boris Johnson und dem türkischen Präsidenten. Dabei bekräftigte Merkel die Bereitschaft Deutschlands, die Mittel der Europäischen Union (EU) für die Versorgung von Flüchtlingen in der Türkei zu erhöhen.

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          In der Konferenz habe man sich eindeutig zu dem Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei bekannt, sagte Merkel nach den Gesprächen bei einem Presseauftritt im Bundeskanzleramt. Man dürfe auch die auf Eis gelegten Gespräche über eine Ausweitung der Zollunion zwischen der EU und der Türkei „nicht aus den Augen verlieren“, sagte die Kanzlerin.

          Erdogan hatte zuvor gegenüber Merkel auf Zusagen aus dem EU-Türkei-Abkommen gedrungen, welches neben finanziellen Hilfen für die Beherbergung von Millionen syrischer Flüchtlinge auch Visa-Erleichterungen und Handelsfreiheiten im Rahmen einer Zollunion vorsieht. Erdogan erinnerte an die hohen Belastungen der Türkei durch die mehreren Millionen syrischer Flüchtlinge, die in seinem Land Zuflucht gefunden haben. Er erörterte mit Merkel auch die Lage der Flüchtlinge an der türkisch/griechischen Grenze und die Gefahren, die für sie durch die Corona-Pandemie entstehen.

          Kritische Lage auf Ägaisinseln

          Mit Erdogans Entscheidung vom Mittwoch bleiben alle Übergänge an der türkischen Landesgrenze zu Griechenland und Bulgarien von Donnerstag an für Reisende geschlossen. Eine entsprechende Anordnung des Innenministeriums betreffe auch den Schienenverkehr, schrieb die türkische Nachrichtenagentur DHA. Weder Ein- noch Ausreisen seien dann möglich.

          Seit der türkischen Grenzöffnung für Flüchtlinge Ende Februar haben Tausende Migranten die türkisch-griechische Grenze überquert. Im griechischen Grenzort Kastanies und auf den Ägäis-Inseln kam es seither immer wieder zu dramatischen Szenen. Griechische Grenzschützer setzten Tränengas gegen Flüchtlinge ein, diese reagierten zum Teil mit dem Werfen von Steinen.

          Auf Lesbos und weiteren Ägäis-Inseln leben bereits mehr als 30.000 Flüchtlinge unter oft katastrophalen Bedingungen. Allein im riesigen Flüchtlingslager Moria auf Lesbos leben mehr als 19.000 Menschen – ausgelegt ist das Camp nur für knapp 3000 Bewohner. Um die Gefahr einer Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, ordnete die griechische Regierung am Dienstagabend ein Besuchsverbot sowie Ausgangssperren in den Lagern auf den Inseln und auf dem Festland an.

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