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Neue Studie für Spanien : Die Herdenimmunität ist unerreichbar

Laut einer neuen Studie könnte es in Spanien mehr Covid-19-Fälle geben, als das Gesundheitsministerium am Donnerstag veröffentlichte. Bild: dpa

Eine großangelegte spanische Studie zeigt, wie weit das Land von einer Herdenimmunität entfernt ist. Wissenschaftler fürchten, dass es jederzeit wieder zu einem „explosionsartigen Ausbruch“ des Virus kommen könnte.

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          Eine repräsentative Studie hat in Spanien einen überraschend geringen Grad an Immunität gegen das Coronavirus ergeben. Bei nur gut fünf Prozent von knapp 61.000 getesteten Spaniern wurden Antikörper gefunden. Das entspricht etwa 2,3 Millionen der insgesamt 47 Millionen Spaniern. Das übertrifft deutlich die offiziellen Zahlen, die das Gesundheitsministerium am Donnerstag veröffentlichte. Demnach hatte der PCR-Test in Spanien bisher bei knapp 230.000 Menschen ein positives Ergebnis; mehr als 27.000 Menschen starben an den Folgen der Infektion.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Wenn sich die ersten Ergebnisse der Antikörperstudie bestätigen, ist Spanien weit von einer Herdenimmunität entfernt. Hierfür müsste der Anteil der Menschen mit Antikörpern Modellrechnungen zufolge zwischen 40 und 70 Prozent liegen. Sie dürfte damit unerreichbar sein, bevor ein Impfstoff entwickelt worden ist. Spanische Wissenschaftler befürchten, dass es angesichts der geringen Immunität jederzeit wieder zu einem „explosionsartigen Ausbruch“ von Covid-19 kommen könnte.

          Am höchsten war der Anteil der Infizierten mit 14,2 Prozent in der Provinz Soria im Landesinneren, das die höchsten Zahlen aufweist. In der Region Madrid, die am stärksten von der Pandemie betroffen ist, sind es 11,3 Prozent, während er im Ballungsraum von Barcelona mit 7,1 Prozent deutlich niedriger ausfällt. In Regionen wie Murcia, Asturien und der Exklave Ceuta sind es weniger als zwei Prozent, auf den Urlaubsinseln der Balearen 2,4 Prozent. Der Erreger ist demnach bei Männern und Frauen ähnlich weit verbreitet; bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen aber weniger. Die ersten Tests und Befragungen bestätigten zudem die frühere Erkenntnis, dass ein völliger Verlust des Geruchssinns einer der wichtigsten Symptome ist. Er war bei 43 Prozent der Infizierten zu beobachten.

          Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Madrid handelt es sich wegen der großen Zahl der seit Ende April im ganzen Land getesteten Personen um „eine der ehrgeizigsten Studien ihrer Art auf der ganzen Welt“. Wenn sie Ende Juni abgeschlossen sein wird, sollen mehr als 90.000 Spanier in 36.000 Haushalten dreimal im Abstand von drei Wochen mit zwei verschiedenen Testverfahren untersucht werden. Die ersten Ergebnisse beruhen auf einem Antikörper-Schnelltest und einer Befragung. Die Untersuchung führen das nationale Gesundheitsministerium, das Forschungsinstitut Carlos III. zusammen mit dem nationalen Statistikamt und den 17 autonomen Regionen durch.

          Die bisher umfangreichste Studie in Deutschland hatte bei Antikörpertests in der besonders stark von Covid-19 betroffenen Gemeinde Gangelt im Landkreis Heinsberg bei gut 900 Untersuchten eine Infektionsrate von 15 Prozent ergeben.

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