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Streit um Corona-Pandemie : Die Wut der Italiener auf Brüssel und Berlin

Sind sie die Krisengewinnler in Italien?: Giorgia Meloni und Matteo Salvinin Rom nach einem Treffen mit Ministerpräsident Conte. Bild: EPA

Die Enttäuschung vieler Italiener über die EU in der Corona-Krise spielt den Rechtsnationalisten in die Hände. Besonders eine Partei profitiert vom Unmut gegen die Europäische Union.

          3 Min.

          Seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie, von der Italien als erstes europäisches Land schwer getroffen wurde, zeigen Umfragen einen starken Vertrauensverlust der Italiener in die EU. Am 19. März veröffentlichte die linksliberale Tageszeitung „La Repubblica“ das Ergebnis einer Umfrage, wonach nur 35 Prozent der Italiener der Ansicht sind, die EU unternehme alles Notwendige zur Eindämmung der Rezession in der Eurozone infolge der Corona-Krise. Das Vertrauen in die EU sank den Angaben zufolge auf weniger als 30 Prozent – den niedrigsten Wert seit Jahren. Am 30. März veröffentlichte das Meinungsforschungsinstitut IPR Marketing das Ergebnis seiner Erhebung. Danach sind 72 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Brüssel Italien in keiner Weise bei der Bewältigung der Krise unterstützt habe. 77 Prozent meinen, dass die Beziehung Italiens zur EU konfliktreich bleibe und die Union dem Land keinen Vorteil bringen werde.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Zuletzt hatte der Konflikt um die sogenannten Corona-Bonds zwischen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der einen Seite und der Linkskoalition in Rom unter Ministerpräsident Giuseppe Conte auf der anderen Seite auch unter europafreundlichen Politikern in Italien zu einhelliger, teils heftiger Kritik an Brüssel und Berlin geführt. Sogar Präsident Sergio Mattarella warnte, die Union müsse auf die Krise angemessen reagieren, bevor es „zu spät ist für Europa“. EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni von den Sozialdemokraten warnte, die wirtschaftliche Kluft zwischen den EU-Staaten könnte sich weiter vertiefen. „In diesem Fall ist es sehr schwer, die EU zusammenzuhalten“, sagte Gentiloni dem Radiosender „Circo Massimo“.

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