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Inmitten der Pandemie : Spaniens ungewöhnlicher Nationalfeiertag

Nur eingeschränkt möglich: Der Nationalfeiertag in Barcelona am 12. Oktober Bild: EPA

Wegen der Corona-Krise müssen sich Spaniens König und die Regierung mit einer bescheidenen Zeremonie begnügen. Von der beschworenen Einheit ist die Politik aktuell weit entfernt.

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          Normalerweise donnern die Maschinen der spanischen Luftwaffe über den Madrider Castellana-Boulevard, und mehr als 3000 Soldaten aller Waffengattungen defilieren an König Felipe vorbei, vor dem Fallschirmspringer landen. Wegen der Corona-Pandemie fiel am Montag zum ersten Mal die große Parade am spanischen Nationalfeiertag aus. Man begnügte sich mit einer bescheidenen Zeremonie mit wenigen hundert Soldaten. Die von der Öffentlichkeit abgeschirmte kleine Feier auf der Plaza de la Armería, dem Waffenplatz vor dem Königlichen Palast in Madrid, hatte nichts von dem militärischen Pomp der vergangenen Jahre. Sie erinnerte eher an den Trauerakt im Juni, als das Land seiner Corona-Toten gedachte.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die Königsfamilie, Politiker und Soldaten trugen Masken und achteten genau auf den Sicherheitsabstand. Der traditionelle Empfang im Anschluss im Königspalast entfiel genauso wie die traditionellen Feste im ganzen Land. Nur die rechtspopulistische Vox-Partei hatte zu einem Autocorso aufgerufen. Während im größten Teil der Region Madrid der Alarmzustand gilt, stauten sich auf dem Castellana-Boulevard Fahrzeuge, die mit der spanischen Nationalflagge geschmückt waren.

          Mit dem Motto „Die Anstrengung, die uns eint“ wollten Königshaus und Regierung den Spaniern Tribut zollen, die an vorderster Front gegen das Virus kämpfen. Doch von der beschworenen Einheit sind die Politiker weit entfernt. Die Zeremonie bot jedoch die Gelegenheit für kurze Gespräche zwischen politischen Gegnern – zum Beispiel zwischen Ministerpräsident Pedro Sánchez und der konservativen Madrider Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso.

          Fünfter Misstrauensantrag in der Geschichte der Demokratie

          Gegen den Willen der PP-Politikerin hatte Sánchez am Freitag den Alarmzustand über die Hauptstadtregion verhängt, die von der Pandemie betroffen ist wie keine andere europäische Metropole. Am Sonntag kritisierte Ayuso die Linksregierung als „autoritär“ und warf den Ministern vor, unablässig zu „lügen“. Ähnliche Anschuldigungen erhebt der ebenfalls eingeladene Vox-Vorsitzende Santiago Abascal. Am Montag wurde bekannt, dass das spanische Parlament am 21. Oktober über den fünften Misstrauensantrag in der Geschichte der spanischen Demokratie abstimmen wird. Abascals Partei wirft der Regierung ein katastrophales Krisenmanagement während der Pandemie vor.

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          Zum ersten Mal nahm auch die linksalternative Unidas-Podemos-Partei (UP) an der Zeremonie für den Nationalfeiertag teil. König Felipe salutierte dem UP-Vorsitzenden Pablo Iglesias, der seit Januar in der neuen Linkskoalition stellvertretender Regierungschef ist. Iglesias und seine Partei machen kein Geheimnis daraus, wie wenig sie von der Monarchie halten und eine Republik in Spanien bevorzugen würden. Im Hof des Königspalasts wurde Pablo Iglesias auch gesehen, wie er länger mit dem Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, Carlos Lesmes, sprach, der bald über eine Anklage gegen den stellvertretenden Ministerpräsidenten entscheiden muss.

          Mit sehr persönlichen Worten hatte sich am Montag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an den König gewandt. Steinmeier, der im September das ebenfalls schwer heimgesuchte Italien besucht hatte, versicherte Felipe in einem handgeschriebenen Brief der Solidarität Deutschlands. „Das Gefühl der Ohnmacht, in der Krise alleingelassen zu werden, darf sich nicht wiederholen. Gemeinsam, nur gemeinsam können wir diese Krise überwinden. Deutschland steht dabei fest an Spaniens Seite. Das Leiden Spaniens ist uns nah. Spaniens Zukunft ist uns wichtig“, schrieb der Bundespräsident.

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