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Corona-Öffnungen in Israel : Hunderttausende Schüler zurück im Präsenzunterricht

Menschen sitzen am 7. März an einer Strandpromenade in Tel Aviv Bild: dpa

Israel lockert Beschränkungen des öffentlichen Lebens, vor allem Geimpfte profitieren. Die Infektionszahlen sind aber weiter hoch – insbesondere die Öffnung von Schulen gilt als Risiko.

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          Der in Israel seit Dezember bestehende Lockdown ist am Sonntag in einer dritten, bisher am weitesten reichenden Stufe gelockert worden. Hunderttausende Schüler der Mittelstufe dürfen zum ersten Mal seit Monaten wieder Schulen besuchen, sofern sich diese in Gegenden niedriger Infektionsstufen befinden. Dabei gilt ein sogenanntes Ampelprinzip: Ausgehend von einer regionalen Einteilung in grüne, gelbe, orangene und rote Gegenden dürfen Schulen lediglich in „grünen, gelben und grenzwertig orangenen Gegenden“ öffnen, in denen wiederum mindestens siebzig Prozent der über fünfzig Jahre alten Bevölkerung lebt, wie die Regierung beschloss.

          Jochen Stahnke
          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Zudem dürfen auch Universitäten und religiöse Hochschulen den Präsenzbetrieb wiederaufnehmen. Dies gilt für Studenten mit einem Grünen Pass, die damit über den Nachweis einer Impfung oder Genesung nach einer Corona-Infektion verfügen. Die Ungeimpften sollen per Video in die Unterrichtsräume zugeschaltet werden. Zudem dürfen Restaurants wieder öffnen, sofern nicht mehr als 75 Prozent der Innenräume ausgelastet sind, die Tische mindestens zwei Meter auseinander stehen und die Gäste den Grünen Pass haben; Ungeimpfte dürfen draußen sitzen.

          Warnungen vor Anstieg der Infektionsrate

          Veranstaltungshallen dürfen für Inhaber des Grünen Passes wieder öffnen, sofern die Räume nicht mehr als zur Hälfte ausgelastet werden und höchstens 300 Menschen kommen. Stadien einer Größe ab 10.000 Plätzen dürfen fortan von 1500 Menschen besucht werden. Grundsätzlich dürfen in Innenräumen nun 20 Menschen zusammenkommen und draußen sich höchstens 50 Menschen versammeln. 

          Vertreter der Gesundheitsbehörden warnten vor einem neuerlichen Ansteigen der Infektionsrate. Der Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, Hezi Levi, sagte, er freue sich für die Wirtschaft, drückte aber gleichzeitig seine Sorgen ob der möglichen gesundheitlichen Folgen aus. Der Corona-Beauftragte Israels, Nahman Ash, sagte am Sonntag abermals, der Lockdown in Israel könne wieder verschärft werden. „Wir werden die rote Fahne hissen wenn uns die Situation überwältigt“, sagte Ash im Radio, „wir hoffen, die Bevölkerung verhält sich verantwortungsbewusst“. 

          Diese Befürchtungen beziehen sich einerseits auf die weiterhin hohen Infektionszahlen in Israel, wo die Reproduktionszahl immer noch bei rund eins liegt. Diese Zahl kommt Berichten zufolge überproportional durch die höheren Infektions- und gleichzeitig etwas niedrigeren Impfquoten unter arabischen und ultraorthodoxen Israelis zustande.

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          Außerdem blicken die Gesundheitsbehörden mit Sorge auf die Schulen, zumal Schüler unter 16 Jahren nicht geimpft werden und die Ansteckungen in Schulen als ein wesentlicher Faktor für den Ausbruch der zweiten Welle verantwortlich gemacht worden sind. „Das letzte Mal war das Hauptproblem, dass die Kinder sich das Virus in der Schule einfingen, dann nach Hause kamen und die Eltern ansteckten“, sagte ein Behördenvertreter der Zeitung „Maariv“. „Jetzt ist unsere Sorge, dass es Infektionen unter Kindern gibt, während eine Mehrheit der Eltern geimpft ist.“

          In Israel haben sich mehr als 800.000 der 9,2 Millionen Bürger mit dem Coronavirus infiziert. Gleichzeitig sind mehr als ein Drittel der Israelis mit beiden Dosen des Biontech-Pfizer-Impfstoffs und mehr als die Hälfte mit einer Dosis geimpft worden. 

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