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Reiseverbote in Tschechien : Warum in die Ferne schweifen?

Die geschlossene polnisch-tschechische Grenze im März Bild: AP

Die tschechische Regierung möchte Restriktionen in fünf Schritten lockern. Diskutiert wird besonders über Reisebeschränkungen. Präsident Zeman sieht kein Problem. Schließlich müsse eine zweite Corona-Welle verhindert werden.

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          Warum denn ins Ausland reisen und riskieren, das Coronavirus wieder einzuschleppen? Bei uns auf dem Land ist es wunderschön, da kann man ohnehin seinen Sommerurlaub verbringen. In diesem Sinne hat sich der tschechische Präsident Miloš Zeman dafür ausgesprochen, den eigenen Bürgern noch mindestens ein Jahr lang zu verbieten, ins Ausland zu reisen.

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Mitte März hat die Regierung in Prag die Grenzen weitgehend geschlossen, und zwar in beide Richtungen: Ausländer dürfen außer in Ausnahmefällen nicht einreisen, und Tschechen nicht ausreisen. Das ging einher mit rigorosen Maßnahmen im öffentlichen Leben, etwa einer generellen Maskenpflicht und, wie in den meisten europäischen Ländern, dem Schließen von Schulen und Geschäften. Jetzt soll es im Geschäftsleben erste Lockerungen geben – und auch über das Grenzregime wird diskutiert.

          Handwerksbetriebe, Autohäuser und Märkte für Landwirtschaftsprodukte sollen in einem ersten Schritt geöffnet werden. Kleine Läden sollen kommende Woche folgen, große Geschäfte zwei Wochen darauf, Restaurants und Friseure weitere zwei Wochen später – das ist dann schon Ende Mai – und in einem letzten Schritt auch Einkaufszentren. So sieht es ein Fünf-Stufen-Plan vor, den die Regierung von Ministerpräsident Andrej Babiš vergangene Woche bekanntgegeben hat.

          Mit rund 6800 nachgewiesenen Infektionen und bislang 188 Corona-Todesfällen hat das Zehn-Millionen-Land die Auswirkungen der Pandemie verhältnismäßig gut eindämmen können, womit die angekündigten Lockerungen begründet werden. Umstritten sind nun vor allem die Reisebeschränkungen.

          Kritiker sprechen von „kommunistischen“ Methoden. Veranstalter und Oppositionspolitiker verlangen, dass zumindest solche Reiseziele, an denen bislang ebenfalls nur begrenzte Corona-Zahlen gemessen wurden, freizugeben: Die Slowakei, wo viele Tschechen zudem Verwandte haben, und Kroatien, dessen Badestrände im Sommer locken.

          Gesundheitsminister Adam Vojtěch nannte zuletzt diese beiden Länder als mögliche Ziele, die unter Umständen im Sommer angesteuert werden könnten, weil die epidemiologische Situation verhältnismäßig günstig sei. Aber festlegen mochte er sich nicht. „Wir wissen gegenwärtig nicht, ob eine zweite oder dritte Welle kommen wird.“ Die Regierung habe Pläne, doch erst Ende Mai werde man Genaueres sagen können, sagte Vojtěch.

          Außenminister Tomáš Petříček hatte zuvor Lockerungen an der Grenze für pendelnde Arbeitnehmer und Geschäftsleute in Aussicht gestellt. Sie sollten die Grenzen überqueren können, ohne jedes mal in eine zweiwöchige Quarantäne zu gehen, wenn sie sich Tests unterzögen, die nun in größerer Zahl ermöglicht werden könnten, sagte Petříček. Insbesondere was die Frage eines grenzüberschreitenden Tourismus betrifft, forderte er eine Koordination mit klaren Regeln durch die Europäische Union.

          Präsident Zeman ist kein Freund solch komplizierter Debatten und schon gar nicht von EU-weiter Koordination. Er sagte am Sonntag in einem Radiointerview, die Leute sollten einfach die schönen tschechischen Landschaften würdigen. Er selbst werde den Sommer wieder in seinem Landhaus in der Region Vysočina südöstlich von Prag verbringen.

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