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Corona-Quarantäne in Xinjiang : Vierzig Tage in der Wohnung eingesperrt

Freiwillige Helfer in Schutzkleidung im Bezirk Toutunhe in Xinjiang am 21. August. Bild: dpa

In der Region Xinjiang werden harte Quarantänen verhängt. Dabei gibt es kaum Corona-Fälle. Trotz Unterdrückung ist der Protest in der Bevölkerung nun so laut geworden, dass die Partei reagieren musste.

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          Der Parteisekretär der westchinesischen Stadt Urumtschi tat in dieser Woche etwas Ungewöhnliches. Er veröffentlichte seine Telefonnummer im Internet und forderte die Bürger auf, ihn anzurufen, um „Probleme zu lösen“. Der Bürgermeister tat das Gleiche, gefolgt von anderen lokalen Funktionären. Offensichtlich war der Unmut zu groß geworden, der sich zuvor in den sozialen Netzwerken entladen hatte. Dort klagten viele Einwohner der Hauptstadt der Region Xinjiang darüber, dass sie ihre Wohnungen seit nunmehr vierzig Tagen nicht verlassen durften, seit es in Urumtschi am 17. Juli einen neuen Coronavirus-Ausbruch gegeben hatte. Im Internet machten Fotos von Leuten die Runde, die auf der Straße an Metallgittern angekettet schienen, mutmaßlich, weil sie gegen die Corona-Restriktionen verstoßen hätten.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          „Es wird nicht lockerer, sondern immer strikter“, berichtet ein Geschäftsmann aus Urumtschi dieser Zeitung über einen Chat-Dienst. Vor zehn Tagen seien alle Wohnungen versiegelt worden. Die Türen dürften nur noch geöffnet werden, wenn Helfer Nahrungsmittel brächten, und würden dann sofort wieder versiegelt. Er selbst sei in einem Quarantänelager untergebracht, sagt der Geschäftsmann. Dort sei die Tür von außen verriegelt. Nur in manchen Wohngebieten von Urumtschi gebe es erste Lockerungen. Pro Wohnung dürften sich die Bewohner dort im Außenbereich der Wohnanlage eine Stunde lang die Füße vertreten. „Wenn ein Haushalt drei Personen hat, sind das 20 Minuten pro Person“, sagt er. Voraussetzung für dieses kleine Privileg seien zwei negative Corona-Tests. Der Geschäftsmann fürchtet um seine Existenz. Er verkaufe Kleidung, seine Lager seien voller Herbstmode. Wenn er nicht bald herauskomme, werde er die nicht mehr los. „Es ist zum Verrücktwerden.“

          Strafe für „schlechte Informationen“

          Als derlei Klagen im Internet zunahmen, wurden die Bürger von lokalen Kadern ermahnt, in ihren Chat-Gruppen mehr „positive Energie“ zu verbreiten, also auf Kritik an den Behörden zu verzichten und stattdessen die Arbeit der freiwilligen Helfer zu loben. Wer „schlechte Informationen“ versende, werde bestraft, hieß es in einer Mitteilung, von der ein Screenshot im Internet kursiert. Doch statt sich einschüchtern zu lassen, suchten die Eingesperrten ein noch größeres Publikum.

          Normalerweise interessiert es die Leute in den chinesischen Metropolen wie Schanghai oder Peking nicht sonderlich, was im 3000 Kilometer entfernten Xinjiang passiert. Das gilt für die dortigen Umerziehungs- und Arbeitslager, in denen nach Schätzungen von Fachleuten zwischenzeitlich mehr als eine Million Uiguren und Kasachen interniert waren. Und es galt bis vor wenigen Tagen für die Quarantänemaßnahmen in Urumtschi. Doch das änderte sich am vergangenen Wochenende.

          Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt ein Blog-Beitrag mit dem Titel „Urumtschi: Unsere Stimme ist zu schwach“. Er wurde von der Zensur aber schnell wieder gelöscht. Besser erging es dem Text eines Mannes, der zwar aus Xinjiang stammt, aber in Chengdu lebt und deshalb über eine breitere Leserschaft verfügt. Er schrieb über die „physische und mentale Erschöpfung“ in seiner Heimatstadt. Die Chat-Gruppen im Internet seien angesichts der prekären Lage ein wichtiges emotionales Ventil und ein Mittel, die Isolation zu überwinden. Deshalb seien die Menschen erbost darüber, dass viele ihrer Beiträge nun gelöscht würden.

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