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Corona-Proteste : „Orgie der Gewalt“ in Rotterdam

Randalierer in Rotterdam warfen in einer „Orgie der Gewalt“ Feuerwerkskörper auf Polizisten. Bild: dpa

Auf einer nicht angekündigten Demonstration in Rotterdam ist die Lage eskaliert. Sieben Personen wurden verletzt, die Polizei schoss auf Angreifer. Eine Kundgebung am Samstag in Amsterdam wurde abgesagt.

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          In Rotterdam ist es bei Protesten gegen die Corona-Politik der niederländischen Regierung am Freitagabend zu schweren Ausschreitungen gekommen. Sieben Personen wurden verletzt, mindestens 20 wurden festgenommen. Die Polizei gab Warnschüsse ab, schoss aber auch gezielt auf Randalierer. Mehrere ihrer Fahrzeuge wurden zerstört. Der Rotterdamer Bürgermeister, Ahmed Aboutaleb, sprach von einer „Orgie der Gewalt“. Der niederländische Minister für Justiz und Sicherheit, Ferd Grapperhaus, nannte die Unruhen am Samstagmorgen „verabscheuungswürdig“. Es habe sich um „kriminelles Verhalten“ gehandelt: „Das hat nichts mit Demonstrieren zu tun."

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Am Freitagabend hatten sich Hunderte von Menschen im Zentrum der Rotterdamer Innenstadt versammelt, um gegen die 2-G-Regeln zu protestieren, welche die Regierung einführen will. Der Zutritt in Bars, Restaurants und zu Veranstaltungen ist dann nur noch Geimpften und Genesenen gestattet, ein negativer Test reicht nicht aus. Die Demonstration sei zuvor nicht bei der Stadt angemeldet worden, sagte der Bürgermeister auf einer nächtlichen Pressekonferenz. Als die Lage gegen 20 Uhr außer Kontrolle geraten sei, seien acht Züge von mobilen Einsatzkräften gerufen worden, insgesamt gut 400 Polizisten. Über Teil des Rotterdamer Zentrums wurde der Ausnahmezustand verhängt.

          Feuerwerkskörper auf Polizisten geworfen

          Auf Videos, die in sozialen Medien verbreitet wurden, ist zu sehen, wie junge Männer Feuerwerkskörper auf Polizisten werfen und einen Polizeiwagen mit Eisenstangen zerstören. Insgesamt vier Polizeiwagen, weitere Autos und Motorroller gingen in Flammen auf; auch die Feuerwehr wurde behindert, als sie versuchte, Brände zu löschen. Auch ein Journalist wurde angegriffen. Die Polizei sprach von mehreren Hundert Randalierern; es könnten auch Fußball-Hooligans beteiligt gewesen sein. Bürgermeister Aboutaleb sagte am Samstagmorgen, dass nicht alle Randalierer aus Rotterdam stammten.

          Ein Fahrradkurier macht ein Bild von einem ausgebrannten Auto und einem beschädigten Polizeiwagen.
          Ein Fahrradkurier macht ein Bild von einem ausgebrannten Auto und einem beschädigten Polizeiwagen. : Bild: dpa

          Zu Beginn der Ausschreitungen gab die Polizei Warnschüsse ab. Laut einem Sprecher sahen sich die Beamten gezwungen, auch gezielt auf Angreifer zu schießen; dabei wurden diese verletzt. Über die genauen Umstände und die Schwere der Verletzungen wurde zunächst nichts bekannt. "Was genau passiert ist, werden wir untersuchen", sagte der Rotterdamer Staatsanwalt Hugo Hillenaar, der hinzufügte, dass er weitere Verhaftungen erwarte. Es werde eine große Untersuchung der Unruhen und auch des Polizeieinsatzes geben. Minister Grapperhaus sagte am Samstagmorgen, dass die Rijksrecherche die Schüsse untersuchen werde. Das ist eine Sondereinheit der Staatsanwaltschaft, die Anschuldigungen gegen Amtspersonen nachgeht. Auch Polizisten wurden verletzt.

          Der für die Sicherheitskräfte verantwortliche Minister Grapperhaus drückte seine Wertschätzung für die Einsatzkräfte aus. „Ich habe tiefen Respekt vor allen Polizisten und Bereitschaftskräften, aber auch vor allen Feuerwehrleuten und anderen Rettungskräften, die gestern sehr hart gearbeitet haben, um der Stadt wieder Frieden zu bringen", sagte er. In den kommenden Tagen und Wochen werde es weitere Verhaftungen geben, die Täter würden schnell vor Gericht gestellt werden. Viele Randalierer waren nicht vermummt, und es gibt viele Sicherheitskameras im Zentrum der Stadt. Gegen halb zwei Uhr am Morgen hatte die Polizei die Lage im Zentrum wieder unter Kontrolle, blieb aber in höchster Alarmbereitschaft.

          Demonstration in Amsterdam abgesagt

          Der Chef der nationalen Polizei Henk van Essen äußerte sich besorgt über die Aggression gegen Polizisten. Die Gesellschaft „verhärtet sich“ und werde immer intoleranter, „im Verhältnis zueinander und zur Regierung“, sagte er der Zeitung De Telegraaf. Es werde immer einfacher, Drohungen auszusprechen, sowohl physisch als auch online. "Damit sind nicht nur Polizisten konfrontiert, sondern auch Politiker, Wissenschaftler und Journalisten.“

          Eine für Samstag geplante Demonstration auf dem Dam-Platz in Amsterdam wurde abgesagt. Der Veranstalter „United We Stand“ begründete dies mit dem Respekt vor den Menschen, die in Rotterdam verletzt wurden. Dagegen soll eine Demonstration in Breda um 13 Uhr beginnen. „Wir sind schockiert über das, was in Rotterdam passiert ist. Deshalb distanzieren wir uns davon“, sagt Joost Eras, der die Aktion zusammen mit drei anderen DJs organisiert, die in der Breda-Hotellerie arbeiten. „Aber unsere Demonstration geht weiter.“ Es werden mehrere tausend Teilnehmer erwartet. In Breda hatten sich am vorigen Samstag, als neue Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Kraft gesetzt wurden, zwei Dutzend Lokale geweigert, schon um 20 Uhr zu schließen.

          Die Regierung hatte zuletzt wegen stark gestiegener Infektionszahlen und der drohenden Überlastung des Gesundheitssystems das öffentliche Leben für zunächst drei Wochen wieder eingeschränkt. So müssen neben der Gastronomie auch Geschäfte des täglichen Bedarfs um 20 Uhr schließen, alle anderen schon um 18 Uhr. Ausgenommen sind Kinos und Theater; hier gilt zunächst die 3-G-Regel; das Kabinett hat sich aber auf die Einführung von 2 G verständigt. Sportveranstaltungen finden ohne Publikum statt. Außerdem sollen die Bürger maximal vier andere Personen in einen Privathaushalt einladen, was allerdings nur eine Empfehlung ist.

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