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Pandemiepolitik : Covax braucht Rückendeckung

Covid-Impfung einer Freiwilligen Ende November in Soweto in Johannesburg, Südafrika Bild: AP

Noch nicht mal annähernd haben die wohlhabenden Länder das erhoffte Geld eingesammelt, um ärmere Länder bei der Beschaffung von Impfstoffen zu unterstützen. Das ist auch aus eigener Sicht ein Fehler.

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          Es ist noch lange nicht vorbei. Wie denn auch: Vielen geht es mit dem Impfen zu langsam, andere fühlen sich benachteiligt, wieder andere verbinden Lockerungsdebatten mit unsicheren Perspektiven auf Erleichterungen für Impfwillige. Und über allem hängt der Schatten neuer Virusvarianten. Damit sind noch nicht einmal alle Baustellen der Pandemiepolitik aufgezählt. Covid-Apartheid und Impf-Nationalismus sind Schlagworte, mit denen neue Gerechtigkeitskämpfe ausgefochten werden. Diese finden bisher hauptsächlich im Internet statt, doch die aufgeheizte Stimmung wird gewiss in das neue Jahr und in die Gesellschaft hineingetragen.

          Erfreulich früh hatten Gesundheitsinitiativen, die Weltgesundheitsorganisation und fast alle Staaten der Welt das „Covax“-Projekt gestartet. Verteilungskonflikte vorwegnehmend sollte ein Ausgleich angestrebt werden zwischen Ländern, die sich die Impfstoffe leisten können, und anderen, denen die Ressourcen dafür fehlen. Doch das erhoffte Geld der wohlhabenden Hälfte, die weniger als ein Fünftel der Weltbevölkerung stellt, ist zum Impfstart nicht annähernd zusammengekommen. Bisher reicht die Solidarität für siebenhundert Millionen Impfungen in armen Ländern.

          Ginge es in diesem Tempo weiter, kämen viele dieser Länder frühestens 2022 an die Impfstoffe – vorausgesetzt, die avisierten Kandidaten sind in den klinischen Tests am Ende ausnahmslos erfolgreich und die Verteilung ist gesichert. Sicher ist aber gar nichts. Es gab schon Fehlschläge bei den Tests, auch Lieferausfälle wird es viele geben, und mit Blick auf die russischen oder chinesischen Ankündigungen herrschen Intransparenz und allergrößte Unsicherheit.

          Wer will verhindern, dass mit Impfstoffüberschüssen oder -verkäufen Einfluss in anderen Ländern genommen wird? Covax braucht Rückendeckung und Planungssicherheit. Wer sich nur um die Baustelle im eigenen Haus kümmert, übersieht Entscheidendes. Solange nämlich das Virus irgendwo auf der Welt grassiert, sind Rückschläge – auch mit Corona-Varianten – kaum auszuschließen.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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