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Drohung mit Boykott : Chinesischer Reflex

Momentan wie verlassen: Chinatown in der australischen Stadt Melbourne. Bild: AFP

Wer es wagt, Peking zu kritisieren, bekommt den Zorn der Regierung oder der Verbraucher zu spüren. Das neueste Opfer: Australien.

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          Die australische Regierung will eine Untersuchung über die Herkunft des neuartigen Coronavirus und das Gebaren der chinesischen Behörden in den ersten Wochen der Epidemie. Die Forderung hält China offenkundig für ein Sakrileg, jedenfalls für einen feindseligen Akt und reagiert entsprechend: mit Drohungen, australische Waren zu boykottieren und das Land als Reiseziel und Studienort zu meiden.

          Man ist doch immer wieder überrascht von dem Reflexhaften der Reaktion: Wer Kritik wagt, bekommt den Zorn der Regierung oder, der chinesische Nationalismus funktioniert, der Verbraucher zu spüren. Für Australien, das wirtschaftlich eng mit China verbunden ist, wären die Kosten eines Boykotts nicht trivial.

          Utopisch, aber nicht unbillig

          Die chinesische Drohung sollten Unternehmen und Politiker zur Kenntnis nehmen, die meinen, wirtschaftliche und sonstige Beziehungen zu China seien nicht anders als die zu jedem anderen Land. Sind sie nicht. Man bewegt sich immer in dem Korridor dessen, was China billigt. Verlässt man ihn, wird es teuer.

          Viele Unternehmen geben dann klein bei, entschuldigen sich gar für Dinge, für die es nichts zu entschuldigen gibt. Covid-19 hat die Welt in eine Krise gestürzt, deren Folgelasten noch viele Jahre zu tragen sein werden. Die Forderung, Chinas Verhalten in den ersten Wochen zu untersuchen, ist „utopisch“, aber nicht unbillig. Es wäre ein Akt von Souveränität, würde Peking dem zustimmen. Das System lässt das freilich nicht zu.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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