https://www.faz.net/-gpf-a667g
Bildbeschreibung einblenden

Corona-Pandemie : So sieht Frankreichs Impfstrategie aus

Frankreichs Premierminister Jean Castex in Paris Bild: Reuters

Frankreich hat sich nach eigenen Angaben mehr Impfdosen gesichert, als es Einwohner hat. Schon bald soll eine große Impfkampagne starten. Bloß: 59 Prozent der Franzosen wollen sich gar nicht gegen Covid-19 impfen lassen.

          1 Min.

          Der Beginn einer großen Impfkampagne ist in Frankreich nur noch „eine Frage von Wochen“, hat Premierminister Jean Castex am Donnerstagabend gesagt. Er stellte die Impfstrategie vor, die in den nächsten Monaten verfolgt werden soll. In einer ersten Phase im Januar sollen zunächst Bewohner von Altenpflegeheimen (Ehpad) und Pflegepersonal geimpft werden. Die Regierung geht davon aus, eine Million Risikopersonen impfen zu können. Mehr als ein Drittel der Covid-19-Toten lebten in Altenpflegeheimen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Castex erläuterte, Frankreich habe sich 200 Millionen Impfdosen gesichert, was eine Impfung von 100 Millionen Personen ermögliche. „Das deckt mehr als unseren Bedarf“, sagte Castex. Es sei ein Sicherheitsüberschuss vorgesehen, weil sich einige Impfstoffe als weniger wirksam erweisen könnten. Außerdem solle vermieden werden, dass es zu Engpässen komme. Castex spielte damit auf die Engpässe bei der Versorgung mit Schutzmasken und Schutzkleidung bei Ausbruch der Epidemie an, die der Regierung noch immer angelastet werden. Der Untersuchungsausschuss der Nationalversammlung hat der Regierung in seinem Abschlussbericht schwere Mängel im Krisenmanagement vorgehalten.

          F+ FAZ.NET komplett

          Vertrauen Sie auf unsere fundierte Corona-Berichterstattung und sichern Sie sich 30 Tage freien Zugriff auf FAZ.NET.

          JETZT F+ KOSTENLOS SICHERN

          Castex hob hervor, dass Frankreich von der gemeinsamen europäischen Strategie bei den Impfstoffen profitiere. Der Impfstoff soll allen Franzosen kostenlos zur Verfügung stehen. Castex sagte, dass die Regierung erwarte, dass vor dem 29. Dezember die Impfstoffe von Pfizer/Biontech und von Moderna durch die europäische Arzneimittelagentur ihre Zulassung erhielten. In einer zweiten Phase sollen die Impfungen allen älteren oder gesundheitlich fragilen Menschen angeboten werden. Die Regierung will 14 Millionen Menschen impfen.

          In der dritten Phase im Frühsommer soll mit der Impfung der anderen Bevölkerungsgruppen begonnen werden.  Die Regierung ernannte einen „Monsieur Impfung“, den Immunologen Alain Fischer, der die Impfkampagne überwachen und in der Öffentlichkeit erklären soll.

          In Frankreich ist die Zahl der Impfgegner sehr hoch. 59 Prozent gaben in einer jüngsten Umfrage an, sie lehnten es ab, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Der Premierminister betonte, die Impfung sei eine der wichtigsten Waffen gegen das Virus. Die Entwicklung in Frankreich entspanne sich langsam, sei aber fragil. „Wir müssen auf jeden Fall vermeiden, dass auf die Feiertage eine neue Ansteckungswelle folgt“, sagte er.

          Weitere Themen

          Mehr wissen, informiert entscheiden

          FAZ Plus Artikel: DFG-Experten zu Corona-Impfung : Mehr wissen, informiert entscheiden

          Der Vorwurf, die Pandemie-Politik agiere ohne ausreichende wissenschaftliche Evidenz, lässt sich leicht widerlegen. Die unabhängige Forschung zur Corona-Impfung zeigt beispielhaft, welche Aussagen schon sicher getroffen werden können. Das ist alles andere als zu wenig. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Eine Frau telefoniert in einer Telefonzentrale für die Arzthotline 116117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes.

          Keine Impftermine möglich : Nette, aber hilflose Impfhotlines

          Die Impfstoffbeschaffung ist Bundessache, das Verabreichen aber die der Länder. In keinem von ihnen lässt sich ein Termin für eine Impfung vereinbaren. Die Länder halten den Bund für schuldig – und Pfizer.
          Das erste Interview nach seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden: Ministerpräsident Armin Laschet in der Düsseldorfer Staatskanzlei.

          Interview mit Armin Laschet : „Auch mit Friedrich Merz“

          Ein Gespräch mit dem neuen CDU-Vorsitzenden Armin Laschet über die Einbindung des unterlegenen Konkurrenten, die Kanzlerkandidatur, den Kampf gegen Corona, sein Verhältnis zu Russland, die Seidenstraße – und über Twitter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.