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Corona-Pandemie in Israel : Erste Orte werden wieder abgeriegelt

Krisenmanager in der Krise: Verteidigungsminister Benny Gantz am 5. Juli Bild: EPA

Die zweite Welle der Corona-Pandemie trifft Israel unvorbereitet, nachdem der Lockdown weitgehend unkontrolliert aufgehoben worden war. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu weist die Verantwortung von sich.

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          Das politische Durcheinander in Israel hat zu einem Wiederausbruch der Corona-Epidemie geführt, der wiederum neuerliches Chaos in der Politik ausgelöst hat. Am Mittwoch verzeichnete das Gesundheitsministerium mit mehr als 1300 Neuinfizierten den bislang höchsten Tagesanstieg überhaupt. Ebenfalls ein neuer Rekord war der Anteil der positiven Diagnosen von 5,2 Prozent aller Getesteten. Selbst Verteidigungsminister Benny Gantz musste sich am Mittwoch in Quarantäne begeben, weil er mit einem Infizierten in Kontakt gekommen war. Behördenvertreter sagten im Radio, die Zahl der Schwerkranken werde weiter zunehmen, zumal die derzeitigen Zahlen das Infektionsgeschehen von vor zwei Wochen abbildeten. Gemessen an der Einwohnerzahl befinden sich die israelischen Steigerungsraten in amerikanischen und brasilianischen Sphären.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Als die Zahlen noch sehr gut aussahen, hob Israel die Beschränkungen der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens entgegen den Vorschlägen vieler Gesundheitsexperten Ende April nicht schrittweise, sondern weitgehend unkontrolliert wieder auf. Am Dienstag trat deshalb die Direktorin für öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium zurück. „Zu meinem Bedauern ist der Umgang mit dem Ausbruch schon seit einigen Wochen vom Kurs abgekommen“, schrieb Sigal Sadetzki auf Facebook. „Zu viel Zeit wird für Debatten, Diskussionen, Berater, Foren und jene verwendet, die nur für sich selbst handeln.“ Ständig seien politische Beauftragte ausgetauscht worden, die sich erst wieder einarbeiten müssten, so Sadetzki. Unter diesen Umständen, „wo meine professionelle Einschätzung nicht mehr gefragt ist“, könne sie in der Bekämpfung der Pandemie nicht weiterhelfen.

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