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Pandemie vor dem Höhepunkt : Amerikas Pearl-Harbor-Moment

Mit drastischer Wortwahl: Der Leiter des öffentlichen Gesundheitssystems, Jerome Adams (re. vorne) und der amerikanische Vizepräsident Mike Pence während eines Pressebriefings zur Pandemie-Ausbreitung im Land. Bild: AP

Mit kriegerischen Analogien bereitet die Regierung die Amerikaner auf den Höhepunkt der Pandemie vor. Es zeigt, wie töricht die Analogie zur Grippewelle war.

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          Die tödliche Wucht, mit der die Corona-Pandemie viele Länder getroffen und das öffentliche Leben weitgehend stillgelegt hat, erinnert viele Zeitgenossen an kriegerische Zeiten. Zumindest wird sie als schlimmste Epidemie seit dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 und als größte politisch-wirtschaftliche Krise seit dem Zweiten Weltkrieg eingestuft.

          Ein Zweck der Analogien ist klar: Sie sollen die Leute darauf vorbereiten, wie schrecklich es mutmaßlich noch werde, und Zustimmung zu den verhängten Maßnahmen erzeugen. In diesem Sinn hat der Leiter des amerikanischen Gesundheitswesens jetzt von „unserem Pearl-Harbor-Moment“, von „unserem 11. September“ gesprochen. Ob die Vergleiche passend sind oder nicht: Offenkundig hält der Mann die Corona-Krise militärisch, politisch und gesellschaftlich für ebenso grundstürzend, wie es die historischen Ereignisse waren. Auch das zeigt, wie töricht es war (ist), in Covid-19 nur eine Grippe zu sehen.

          Weil sie so bedrohlich und existentiell ist, hat die Krise eine weitere Seite: Sie dünstet Fake News und Verschwörungstheorien aus. Mit Behauptungen, Amerika habe Atemschutzmasken konfisziert und moderne Piraterie betrieben, waren Mitglieder des Berliner Senats schnell bei der Hand. In Wahrheit ist bis heute nicht klar, was eigentlich passiert ist und wer tatsächlich „schuld“ daran ist, dass die bestellte Ausrüstung nicht in Berlin eintraf. Gehören Hysterie und böswillige Unterstellungen auch zu „unserem Moment“?

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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