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Corona-Pandemie : Das System Erdogan steckt in der Krise

Läuft es gut, fällt es auf ihn zurück; läuft es wie derzeit schlecht, trägt er die volle Verantwortung: Recep Tayyip Erdogan Bild: AFP

Das Krisenmanagement der türkischen Führung wird mehr und mehr selbst zum Katastrophenfall.

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          Das Krisenmanagement der türkischen Führung wird mehr und mehr selbst zum Katastrophenfall. Erst hatte sie die Bevölkerung in dem Irrglauben gelassen, das Land sei für den Kampf gegen das Coronavirus gut gerüstet. Zu spät, zu langsam und zu zögerlich ergriff sie dann Maßnahmen, die in anderen Ländern bereits Wirkung zeigten. Die Folge: In der Türkei nehmen die Neuinfektionen besonders schnell zu. Am Freitagabend führte dann die kurzfristige Verhängung einer Ausgangssperre für zwei Drittel der Bevölkerung zu einem Chaos, das erste Erfolge zunichtezumachen droht. Um Präsident Erdogan aus der Schusslinie zu nehmen, bot daher Innenminister Soylu seinen Rücktritt an.

          Dieses Manöver täuscht nicht darüber hinweg, dass das System Erdogan in der Krise steckt. Der Machtmensch Erdogan zahlt nun den Preis dafür, dass er die parlamentarische Demokratie durch ein Präsidialsystem ersetzt hat, in dem er bei fast allem das letzte Wort hat. Läuft es gut, fällt es auf ihn zurück; läuft es wie derzeit schlecht, trägt er die volle Verantwortung. Vorwürfe prallen nicht mehr so einfach an ihm ab. Schon vor der Coronakrise sank die Zustimmung zu seiner Amtsführung, denn vielen Türken geht es wieder schlechter. Nun beschleunigen die Corona-Krise und das irrlichternde Verhalten der Führung in Ankara einen Prozess, der Erdogan gefährlich werden könnte. In der Krise stehen die Türken zusammen. Abgerechnet wird danach.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

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