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Notstand in Japan : Abes steile Lernkurve

  • -Aktualisiert am

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe Bild: Reuters

Vor kurzem wollte er noch Olympische Spiele in Tokio veranstalten. Jetzt hat Ministerpräsident Abe dort den Notstand ausgerufen. Er ist in der Wirklichkeit gelandet.

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          Wenn man bedenkt, dass Shinzo Abe noch vor kurzem öffentlich verkündete, der Austragung der Olympischen Spiele in diesem Sommer in Tokio stehe nichts im Wege, muss man ihm eine ziemlich steile Lernkurve bescheinigen. Jetzt hat der Ministerpräsident für die japanische Hauptstadt und weitere Regionen den Notstand verkündet. Grund sind die schnell ansteigenden Zahlen der Infektionen mit dem Coronavirus.

          Es fällt schwer zu glauben, dass das Problem erst jetzt auftritt. Vielmehr wurde man in den vergangenen Wochen den Eindruck nicht los, die japanische Regierung versuche krampfhaft, ein Bild der Normalität aufrechtzuerhalten, um nur das Großereignis nicht zu gefährden.

          Nun musste Abe sich ins Unvermeidliche fügen. Formal sind die Maßnahmen nicht so streng wie zum Beispiel in Spanien oder Italien. Abe darf darauf hoffen, dass die Japaner den „Empfehlungen“ seiner Regierung folgen. Der Glaubwürdigkeit der Regierung wird diese abrupte Kehrtwendung aber langfristig nicht guttun. Durch früheres Reagieren hätte womöglich größerer Schaden abgewendet werden können.

          Der Spagat, den Abe in den vergangenen Wochen aufgeführt hat, unterscheidet sich nicht fundamental von dem, was den Regierenden in anderen Ländern das Leben zur Zeit so schwer macht. Nur war im Falle Japans die Alternative sportliches Großereignis oder Vorrang für die Gesundheit schärfer als anderswo, wo es „nur“ um das allgemeine Wohlergehen der Volkswirtschaft geht. Abe hat zu lange versucht, sich vor einer eindeutigen Entscheidung zu drücken. Jetzt ist er in der Wirklichkeit des Virusjahres 2020 angekommen.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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