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Hohe Infektionszahlen : Die Niederlande bleiben im Lockdown

Blick in eine Amsterdamer Gracht: Seit Mitte Oktober können die Gastronomen in den Niederlanden keine Gäste mehr bewirten. Bild: Reuters

Die Corona-Beschränkungen zeigen in den Niederlanden bisher wenig Wirkung. Schulen und Geschäfte sollen deshalb drei Wochen länger geschlossen bleiben. Breitet sich die „englische“ Mutation weiter aus, drohen noch schärfere Maßnahmen.

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          Mitte Dezember gingen die Niederlande in den Lockdown, die Schulen und viele Geschäfte mussten schließen. Seitdem ist die Zahl der täglichen Infektionen zwar etwas gesunken, doch bewegen sie sich inzwischen kaum mehr nach unten und liegen immer noch viel zu hoch. Außerdem steigt die Nervosität, weil immer mehr Infektionen mit der hochansteckenden „englischen“ Variante des Coronavirus bekannt werden.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Deshalb sollen die Einschränkungen des öffentlichen Lebens nun um drei weitere Wochen verlängert werden, bis einschließlich 8. Februar. Das haben, wie mehrere niederländische Medien übereinstimmend berichten, Ministerpräsident Mark Rutte und die zuständigen Minister am Sonntag nach Beratungen mit Fachleuten vereinbart. Das Kabinett wird die Verlängerung demnach am Dienstag formal beschließen, am Abend wird sich Rutte dann in einer Pressekonferenz dazu äußern.

          Der Regierungschef hatte sich schon vorige Woche „nicht sehr hoffnungsvoll“ über mögliche Lockerungen geäußert. „Die Infektionsraten sind immer noch zu hoch, und das bedeutet, dass die Menschen immer noch zu viele Kontakte haben“, sagte er am Freitag.

          Schüler werden nur virtuell unterrichtet

          Ein Mitglied des Fachleute-Gremiums, das die Regierung berät, stellte am Sonntag sogar Verschärfungen in den Raum. „Wenn der geringe Rückgang sich nicht fortsetzt und die englische Mutation die Oberhand gewinnt, dann werden wir wahrscheinlich strengere Maßnahmen sehen“, sagte der Virologe Menno de Jong dem Fernsehsender AT5. Die niederländische Gesundheitsbehörde hatte vorige Woche über fünfzig nachgewiesene Fällen mit dieser Variante berichtet, sie konzentrieren sich auf die dicht besiedelten Regionen um die Städte Amsterdam und Rotterdam.

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          Nach Angaben der EU-Infektionsschutzbehörde lag die 14-Tage-Inzidenz zuletzt bei 760 nachgewiesenen Infektionen auf 100.000 Einwohner, das liegt im oberen Drittel der Mitgliedstaaten. Deutschland kam dagegen auf 320, Belgien auf 170 Fälle. Diese Angaben entsprechen zwar nicht ganz dem aktuellen Stand, doch variiert die Zahl der täglichen Fälle stark und lag zuletzt nahe dem Niveau von Mitte Dezember, als der Lockdown beschlossen wurde. Lockerungen sind nach Ansicht des Fachleute-Gremiums erst möglich, wenn sich die Werte gegenüber dem jetzigen Niveau mindestens halbieren.

          Schüler werden seit dem Ende der Weihnachtsferien nur virtuell unterrichtet. Eltern machen Druck, um wieder zum Präsenzunterricht zurückzukehren, wenigstens für Grundschulen. Die Regierung zieht eine frühere Öffnung der Schulen zwar in Betracht, will aber zunächst weitere Erkenntnisse zur Ausbreitung der englischen Variante abwarten. Dreißig Fälle wurden in einer Grundschule bei Rotterdam registriert.

          Beim Impfen unter den Schlusslichtern der EU

          Nach den jüngsten Angaben der britischen Regierung verbreitet sich diese Mutation um 10 bis 70 Prozent schneller als die bisher bekannten Coronaviren. Vor allem Personen zwischen 40 und 60 Jahren scheinen sich häufiger zu infizieren, während die Werte für Kinder und Jugendliche nur leicht erhöht sind.

          Für Unternehmen, die wegen des Lockdowns geschlossen bleiben müssen, will die Regierung ein zusätzliches Hilfspaket schnüren. Verbände der Einzelhändler, Hotels und Gastronomen warnten in den vergangenen Tagen vor verheerenden Folgen für ihre Branchen, wenn die Einschränkungen wirksam blieben. Der Gastronomie-Sektor kann schon seit Mitte Oktober keine Gäste mehr bewirten. Erschwerend kommt hinzu, dass das Land auch beim Impfen zu den Schlusslichtern in der EU gehört, weil die Regierung zu lange auf den falschen Impfstoff gesetzt hatte.

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