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Grenzregion zu Frankreich : Mutanten kommen Deutschland bedrohlich nahe

Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran erhält eine Dosis des Astra-Zeneca-Impfstoffs in einem Krankenhaus in Melun. Bild: dpa

Frankreich wähnte das Coronavirus ohne Geschäfts- und Schulschließungen unter Kontrolle. Doch in einer Grenzregion zu Deutschland breiten sich die Mutanten aus Südafrika und Brasilien aus. Eine besorgniserregende Entwicklung.

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          Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran schlägt Alarm: Im Département Moselle, das an das Saarland, Rheinland-Pfalz und Luxemburg grenzt, ist eine auffallend hohe Häufung der südafrikanischen und brasilianischen Virus-Mutanten festgestellt worden. Véran sagte, es seien „in den vergangenen vier Tagen 300 Fälle der südafrikanischen und brasilianischen Mutanten nachgewiesen“ worden. Schon in den Tagen zuvor seien 200 Fälle bekannt geworden.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.
          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Anders als in Deutschland werden in Frankreich alle positiven PCR-Testergebnisse im PCR-Verfahren auf Virus-Mutanten überprüft. Das Infektionsgeschehen in Lothringen bildet nach den Worten des Gesundheitsministers eine Ausnahme innerhalb der Großregion Grand-Est und in Frankreich. Die Entwicklung sei deshalb so besorgniserregend, weil sich die Infektionsketten nicht zurückverfolgen ließen. Im Département Dordogne waren zum Beispiel Virus-Mutanten in einem nachvollziehbaren Cluster registriert worden. Das ist in Lothringen nicht der Fall. Es handele sich nicht um Reiserückkehrer oder Kontaktpersonen von Reiserückkehrern, sagte Véran während einer Pressekonferenz in Paris.

          Kommt nun ein regionaler Lockdown?

          Am Freitag wollte Véran in Metz mit lokalen Entscheidungsträgern über weitere Schritte beraten. Der Ko-Vorsitzende der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung, Christophe Arend, dessen Wahlkreis in Lothringen liegt, warnte vor Grenzschließungen, die den Lebensalltag vieler Bürger beeinträchtigen würden. Lösungen müssten im grenzübergreifenden Lebens- und Arbeitsraum der Menschen gefunden werden. „Bislang können wir uns die starke Präsenz der südafrikanischen Mutante nicht erklären“, sagte Arend.

          Bei vielen Franzosen aus der Grenzregion wirkt noch der Schock über die plötzliche Grenzschließung nach, die im vergangenen Frühjahr ohne Einbeziehung der lokalen Entscheidungsträger beschlossen worden war. Regionalratspräsident Jean Rottner, der selbst Mediziner ist, wies darauf hin, dass in Metz und Umgebung sich besonders viele jüngere Berufstätige infizierten. Zudem sei die Altersgruppe von zehn bis 19 Jahren stark betroffen. „Sollten wir die Schulferien vorziehen? Sollten wir eine Ausgangssperre für die Wochenenden verhängen?“, fragte Rottner. Das Département Moselle habe schon vor einem Jahr sehr gelitten. „Lassen Sie uns die richtigen Entscheidungen treffen!“, sagte er.

          Der Vorsitzende des Départementrates, Patrick Weiten, plädierte für eine sofortige Schließung der Schulen. Der lothringische Abgeordnete Ludovic Mendes hat zudem eine Ausgangssperre an Wochenenden vorgeschlagen, die von der Kommunalpolizei kontrolliert werden müsse. In Lothringen müsse die Impfkampagne verstärkt werden. Mendes sprach sich für einen eingeschränkten Grenzverkehr „in Absprache mit deutschen und luxemburgischen Behörden“ aus. Wichtig sei es, die lokalen Verantwortlichen einzubeziehen.

          Der Besuch von Gesundheitsministers Véran in Metz zeigt, dass er aus den Vorwürfen über das zentralistische Krisenmanagement von Paris aus gelernt hat. Auf seinem Programm stehen Gespräche mit dem Präfekten, Volksvertretern, Mitarbeitern der örtlichen Gesundheitsbehörden und Krankenhausleitern. „Wir wollen gemeinsam die Lage bewerten.“ Es gehe ihm um Antworten, die vom Kollektiv mitgetragen würden. Er deutete an, dass er einen auf das Département beschränkten Lockdown in Erwägung ziehe.

          Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran
          Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran : Bild: AFP

          Frankreich ist es gelungen, ohne Geschäfts- und Schulschließungen das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu halten. Es liegt mit etwa 20.000 Neuinfektionen täglich im Wochenschnitt zwar auf einem hohen Niveau, aber viele Franzosen sind dankbar, dass das öffentliche Leben nicht wie im vergangenen Frühjahr gänzlich zum Erliegen gekommen ist. Der Bürgermeister von Metz, Francois Grosdidier, sprach sich am Freitag für einen lokalen Lockdown aus. „Leider wird es darauf hinauslaufen“, sagte Grosdidier dem Fernsehsender BFMTV.

          Im angrenzenden Saarland und Rheinland-Pfalz wird die Situation derweil mit Sorge beobachtet. Auch hier sind die Grenzschließungen aus dem vergangenen Frühjahr noch in unguter Erinnerung; die Region ist seit langer Zeit zusammengewachsen, Hunderttausende pendeln täglich über die Grenzen. Von der saarländischen Landesregierung hieß es auf Nachfrage zu den Mutanten, man beobachte die Situation „sehr genau“ und stehe in engem Austausch mit der französischen Partnerregion.

          Ein Sprecher der Staatskanzlei in Saarbrücken verwies am Freitag darauf, dass Frankreich bereits angekündigt habe, geeignete Maßnahmen zu treffen, um eine weitere Ausbreitung der Mutationen einzudämmen. „Wir wollen nicht, dass die Grenze wieder geschlossen wird“, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer am Freitag. Die Region sei „ein Lebensraum“, so Dreyer, es gelte gemeinsam die Pandemie zu bewältigen. Man sei in „ganz engem Kontakt“ mit den Nachbarländern und berate sich über das gemeinsame Vorgehen. Als Beispiel nannte sie Pläne, bei stark steigenden Inzidenzen an den Grenzübergängen sehr viele Tests durchzuführen.

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