Millionenstadt im Lockdown :
Die Hilferufe aus Xi'an

Von Friederike Böge, Peking
Lesezeit: 3 Min.
Aufreihen für den Corona-Test: Einwohner der Millionenmetropole Xi'an
Seit fast zwei Wochen sind die Bewohner von Xi'an in ihren Häusern eingesperrt. Einige klagen über fehlende Lebensmittel. Die Notlage bringt einmal mehr Konflikte in der chinesischen Gesellschaft zum Vorschein.

„Haben die Verantwortlichen, die den Pausenknopf für Xi’an gedrückt haben, je dar­über nachgedacht, wie sie das Schicksal von 13 Millionen Menschen beeinflussen würden?“ Dieser Satz stammt aus einem Onlinetagebuch über die Lage in der seit fast zwei Wochen abgeriegelten Stadt Xi’an. Die Aufzeichnungen der lokalen Journalistin Jiang Xue gehörten am Dienstag zu den meistgelesenen Texten im chinesischen Internet. Es geht darin um Menschen, die durchs Raster gefallen sind, als die Behörden die ganze Stadt lahmlegten, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Zum Beispiel um Leute, die auf der Straße sitzen, weil während ihrer Arbeitszeit ihr Wohnblock abgeriegelt wurde. Um einen Wanderarbeiter, der aus Angst vor den Kosten einer Zwangsquarantäne 90 Kilometer in sein Heimatdorf gelaufen sein soll. Um einen Mann, der von Wärtern seines Nachbarschaftskomitees verprügelt wurde, weil er unerlaubterweise seine Wohnung verlassen hatte, um sich etwas zum Essen zu beschaffen. Die Angreifer wurden später von der Polizei mit einem Bußgeld belegt.

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