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Folge der Corona-Pandemie : Wie Saudi-Arabien vom fallenden Ölpreis profitiert

Ein Öltanker liegt vor dem Hafen der saudischen Stadt Ras al Khair im Osten des Landes. Bild: AFP

Die amerikanische Fracking-Industrie liegt am Boden und Russland hat sich dem saudischen Vorschlag gebeugt, seine Ölförderung massiv zu kürzen. Im Preiskampf hat sich Riad vorerst durchgesetzt.

          3 Min.

          Erdöl ist nicht länger ein lukratives Geschäft. Zum ersten Mal zahlen derzeit Produzenten dafür, dass ihnen überhaupt jemand das Produkt abnimmt. Konkret betrifft das gerade die amerikanische Ölindustrie. Die fördert nur für den Inlandsmarkt. Bricht die Nachfrage dort wie in der Corona-Krise ein, kann sie die überschüssige Produktion wegen fehlender Exportwege nicht im Ausland verkaufen. Da die Förderung aus technischen Gründen aber auch nicht umgehend gestoppt werden kann, fließt das Erdöl in Lager. Sind diese voll, muss das Unternehmen Interessenten finden, die sich die Abnahme bezahlen lassen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Aus diesem Abwärtsstrudel ist für viele amerikanische Fracking-Unternehmen der Konkurs der billigste Ausweg. In der amerikanischen Energiewirtschaft sind aber zehn Millionen Arbeitnehmer beschäftigt. Um sie zu retten, hatte sich Präsident Donald Trump Anfang April in die stockenden Verhandlungen zwischen Saudi-Arabien, das für die Opec-Staaten spricht, und Russland eingemischt. So wurde aus der Formel „Opec+“ die „Opec++“, denn Trump präsentierte sich der Öffentlichkeit fast wie der inoffizielle Präsident des Kartells.

          Die Einigung kam zu spät, und sie ist unzureichend

          Triumphierend sprach er, als sich die Opec und Nicht-Opec-Staaten wie Russland auf die Kürzung der Förderung um 9,7 Millionen Barrel vom 1. Mai an verständigt hatten, von einem „großen Öldeal“ und davon, dass damit in den Vereinigten Staaten „Hunderttausende Energiejobs gerettet“ würden. Dabei hatte er wenige Wochen zuvor den Fall des Ölpreises, der gerade eingesetzt hatte, noch als „Steuersenkung für den amerikanischen Verbraucher“ gepriesen.

          Die Einigung vom 10. April kam jedoch zu spät, und sie ist zu gering. Der Ölpreiskrieg war zwar beendet, nun traf aber mit voller Wucht die Corona-Krise den Markt. So rechnet die Internationale Energieagentur in Paris im Gesamtjahr 2020 mit einem durchschnittlichen Rückgang der Ölnachfrage um 9,3 Millionen Barrel am Tag. Die Prognose basiert auf der Erwartung, dass die Beschränkungen im zweiten Halbjahr wieder gelockert werden. Allein für den April prognostiziert sie jedoch einen Nachfragerückgang um 29 Millionen Barrel am Tag. Die negativen Preise für nordamerikanisches Öl sind nun das Signal, dass die Hoffnungen auf eine baldige Normalisierung schwinden.

          Der vorläufige Sieger des präzedenzlosen Verfalls der Ölpreise ist Saudi-Arabien – wenn das Königreich auch mit einem blauen Auge davongekommen ist. Denn die amerikanische Fracking-Industrie liegt am Boden, und Russland hat sich nach einem vier Wochen dauernden Preiskrieg dem saudischen Vorschlag gebeugt, seine Förderung ebenfalls massiv zu kürzen. Am Ende des Preiskriegs war Russland politisch und wirtschaftlich angeschlagen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat errechnet, dass aus dem Verkauf von einem Barrel weniger als ein Dollar in den russischen Staatshaushalt fließt.

          Prinz Muhammad hat den Bruch mit Washington verhindert

          Dem saudischen Kronprinzen Muhammad Bin Salman war es mit der Einigung zudem geglückt, einen Bruch mit Washington zu verhindern. Denn mit einer Einstellung der militärischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit hatten republikanische Kongressmitglieder aus Bundesstaaten gedroht, in denen die Energiewirtschaft eine wichtige Rolle spielt. Nun hat jedoch Saudi-Arabien als das Land mit den geringsten Förderkosten die besten Chancen.

          Die Lektion der vergangenen Tage ist, dass die Ölproduzenten ihre Fördermengen noch erheblich stärker reduzieren müssen, soll sich der Preis auf einem vertretbaren Niveau stabilisieren. Das liegt auch im Interesse Saudi-Arabiens, das einen Ölpreis von 83 Dollar pro Barrel benötigt, um den Staatshaushalt ohne Kreditaufnahme zu finanzieren. Vorübergehend gleichen die Reserven von 500 Milliarden Dollar Einnahmeverluste aus. Der Finanzminister wies dennoch alle Kabinettskollegen an, jeweils 30 Prozent zu sparen. Gelähmt ist auch die saudische Börse. Die Aktie von Saudi Aramco wird knapp zehn Prozent unter dem Ausgabepreis vom Dezember gehandelt.

          Der Internationale Währungsfonds prognostiziert für Saudi-Arabien in diesem Jahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,3 Prozent und für alle sechs Monarchien des Golfkooperationsrats um 3,9 Prozent. Die Projektion basiert auf der Annahme, dass der Ölpreis in diesem Jahr wieder auf 35 Dollar pro Barrel steigt. Am Dienstag fiel jedoch auch die Nordseesorte Brent auf weniger als 20 Dollar pro Barrel und damit den niedrigsten Wert seit 2002. Der Irak benötigt einen Preis von 60 Dollar pro Barrel, um seinen Staatshaushalt zu finanzieren. Analysten glauben, dass Länder, die wie der Irak wenig attraktive Bedingungen für Investoren haben, zu den Verlierern der neuen und fortdauernden Ölkrise zählen werden. Auch in Ölländern sind daher politische Unruhen möglich.

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