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Zehntausende fehlerhafte Tests : Peinlicher Rückschlag für Spanien

Ein spanischer Polizist lässt sich auf das Coronavirus testen. Bild: AFP

In Spanien werden deutlich weniger Menschen auf Corona getestet als in anderen Ländern. Nun musste die Regierung Zehntausende fehlerhafte Tests an einen chinesischen Hersteller zurückschicken. Gegenseitige Schuldzuweisungen lassen nicht lange auf sich warten.

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          Nach Italien ist Spanien das Land auf der Welt, dass von der Ausbreitung des Coronavirus am härtesten betroffen ist. Bis Freitagmittag kamen dort 4858 Menschen ums Leben; das sind schon mehr als in China. Innerhalb von 24 Stunden wurden 769 Todesfälle gezählt - so viele wie nie zuvor in Spanien an einem Tag. Doch die Behörden in Madrid haben bis heute keine verlässlichen Überblick darüber, wie viele Spanier wirklich infiziert sind. Das Gesundheitsministerium meldete am Freitagmittag 64.000 nachgewiesene Infektionen.

          Hans-Christian Rößler
          (hcr.), Politik

          Doch Fachleute befürchten, dass es mindestens eine halbe Million Infizierte sein könnten. Denn bisher wurden fast nur erkrankte Patienten und medizinisches Personal untersucht. Zudem wurde deutlich weniger getestet, als in Ländern wie Deutschland oder Südkorea. Bei dem Versuch, sich endlich mehr Klarheit zu verschaffen, hat die Regierung jetzt auch noch einen peinlichen Rückschlag erlitten.

          Das Gesundheitsministerium musste 58.000 Schnelltests an den chinesischen Hersteller zurückschicken. Nachdem die ersten 9000 davon an Kliniken in Madrid verteilt worden waren, stellte das „Instituto de Salud Carlos III.“ fest, dass ihre Zuverlässigkeit nur bei 30 Prozent liege. Sie gehörten zu den neuen 640.000 Schnelltests aus China, die die spanische Regierung angekündigt hat, um endlich seinen internationalen Rückstand aufzuholen.

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          Chinesische Botschaft widerspricht

          Das Gesundheitsministerium beeilte sich, alle Schuld von sich zu weisen. An Journalisten wurden die Kopien zweier Zertifikate vom Ende des vergangenen Jahres versandt, die jedoch von begrenzter Aussagekraft sind. Im ersten bestätigt der Hersteller „Shenzhen Bioeasy Biotechnology“ selbst, dass die Tests die Anforderungen für die EU erfüllen. Das zweite stammt vom deutschen „TÜV Süd“. Es ist kein Produktzertifikat für Corona-Tests, sondern bescheinigt nur die Einführung und das Bestehen eines Qualitätsmanagement-Systems.

          Einer angeblichen Zulassung widersprach jedoch umgehend die chinesische Botschaft in Madrid: Die Firma habe von der zuständigen Behörde „noch nicht die offizielle Lizenz für den Verkauf seiner Produkte erhalten“. Sie stehe auch nicht auf der Liste der vom chinesischen Handelsministerium offiziell zugelassenen Lieferanten, die an die spanische Regierung weitergeleitet worden sei.

          Die spanische Regierung legte Wert darauf, dass dieses Material nicht Teil der bevorstehenden Großlieferung aus China sei, die das Gesundheitsministerium für die nächsten Tage angekündigt hat. Die Tests seien von einem nationalen Anbieter und nicht in China gekauft worden.

          Auch Tschechische Republik meldet Probleme

          Der chinesische Hersteller vermutete in einer Erklärung am Freitag, dass die Nutzer bei den Abstichen „möglicherweise nicht strikt den Anweisungen unseres Unternehmens“ gefolgt seien, was zu einem „Rückgang der Genauigkeit“ geführt haben könnte. Man habe festgestellt, dass die entsprechende Kommunikation mit den Kunden anfangs vielleicht nicht ausreichend gewesen sei. Das Unternehmen habe zudem am 12. März 2020 offiziell die „EU-CE-Zertifizierung“ erhalten. Diese Angabe steht im Widerspruch zu den von spanischen Gesundheitsministerium veröffentlichten Unterlagen.

          Ein Sprecher des Unternehmens sagte weiter, wegen der fehlenden chinesischen Zulassung würden diese Produkte nicht in Spanien verkauft. Man habe bisher mehr als 420.000 Schnelltests exportiert, darunter in Länder wie Italien und Südkorea. Aus der Tschechischen Republik wurden ebenfalls Probleme mit unzuverlässigen Tests aus China gemeldet. Es war zunächst unbekannt, um welchen Hersteller es sich handelt.

          Der spanische Oppositionsführer Pablos Casado von der konservativen PP-Partei forderte eine Untersuchung. Er warnte vor einer möglichen „Unverantwortlichkeit“, die dann Konsequenzen haben müsse. Regionalregierungen klagen seit Tagen darüber, dass der zentrale Einkauf durch das Gesundheitsministerium nicht funktioniere und zugesagtes Material nicht eintreffe. Die spanische Regierung schloss in dieser Woche in China einen Vertrag über den Kauf von medizinischer Ausrüstung im Wert von 432 Millionen Euro ab. Dazu gehören auch 5,5 Millionen Tests. Diese Lieferungen haben bisher nicht begonnen.

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