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Streit am Brenner : Italien will deutsche Urlauber

Ein österreichischer Polizist weist einem deutschen Reisenden im März am Brenner den Weg Bild: Getty

Italienische Oppositionsparteien fordern von Österreich die Öffnung der Grenze am Brenner. Für die Kurz-Regierung ist Italien immer noch ein Hotspot der Pandemie. In Rom mutmaßt die Regierung, Österreich wolle Italien deutsche Urlauber wegnehmen.

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          Der Grenzstreit zwischen Italien und Österreich spitzt sich zu. Am Freitag forderten im Dorf Brenner, das direkt an der Grenzlinie liegt, Vertreter aller Oppositionsparteien der Landtage sowohl Tirols in Innsbruck als auch Südtirols in Bozen die sofortige Öffnung des derzeit noch von Österreich gesperrten Grenzübergangs. Von italienischer Seite nahmen Vertreter der sezessionistischen Partei Südtiroler Freiheit, des ökologisch-liberalen Team K von Paul Köllensperger, der rechtspopulistischen Freiheitlichen sowie der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung teil. Aus Innsbruck waren Abgesandte der rechtsnationalen Freiheitlichen Partei, der Bürgerbewegung Liste Fritz sowie der linksliberalen Neos an den Brenner gekommen. Nicht dabei waren die oppositionellen Südtiroler Grünen, wohl aus Solidarität mit ihren österreichischen Parteifreunden, die in Wien mit der konservativen Volkspartei unter Bundeskanzler Sebastian Kurz koalieren.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Der Appell der vereinten Oppositionsparteien zur sofortigen Öffnung der Grenze richtete sich vor allem an Wien. Italien öffnet seine Grenzen am 3. Juni für Bürger aller EU- und Schengen-Staaten, die Pflicht zur Quarantäne von 14 Tagen nach der Einreise wird aufgehoben. Auch Deutsche können von Mittwoch an wieder nach Italien reisen, sofern sie beim Transit durch Österreich nicht anhalten.

          Wegen der hohen Infektionszahlen in einigen Regionen Italiens will Wien die Grenze zum südlichen Nachbarland bis auf weiteres geschlossen halten. Der österreichische Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bezeichnete Italien am Donnerstag abermals als „Hotspot“ der Corona-Pandemie, obwohl die Lage „in einigen Regionen schon besser“ geworden sei. Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz bekräftigte am Mittwoch, dass eine Öffnung der Grenze zu Italien wegen der hohen Infektionszahlen in dem Nachbarland, zumal in der Region Lombardei, derzeit nicht zu verantworten sei. Mit Berlin hat Wien die vollständige Öffnung der Grenzen zum 15. Juni vereinbart und wirbt in Deutschland mit dem Argument um Touristen, kein Reiseland sei so sicher wie Österreich.

          Eine Wiederöffnung der österreichisch-italienischen Grenze „spätestens am 15. Juni“ fordern auch die Landeshauptleute der Europa-Region Tirol, Südtirol und Trentino, die konservativen Politiker Günther Platter und Arno Kompatscher sowie Maurizio Fugatti von der rechtsnationalistischen Lega. In Rom argwöhnt die linke Regierungskoalition, dass Wien nicht aus gesundheitspolitischen Gründen an der Grenzschließung festhalte, sondern um sich einen möglichst großen Anteil am Sommergeschäft mit den deutschen Urlaubern zu sichern.

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