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Wieder Corona-Infektionen : Pekings große Angst vor einer neuen Welle

Zwei Polizisten versperren am 14. Juni den Zugang zum Xinfadi-Markt im Süden Pekings. Bild: EPA

Nach zwei Monaten ohne Infektionen gibt es in Peking einen neuen Corona-Ausbruch. Den Behörden zufolge ist die Quelle noch unbekannt – aber es wird bereits spekuliert.

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          Die Nachricht weckt böse Erinnerungen an die Anfänge der Pandemie in Wuhan: Ein Pekinger Großmarkt, auf dem Fleisch, Fisch und Gemüse verkauft wurden, steht im Zentrum eines neuen Coronavirus-Ausbruchs mit mehr als 50 Neuinfektionen. Bei den meisten Infizierten soll es sich um Händler des Xinfadi-Marktes im Süden der Stadt handeln, die übrigen seien Besucher des Marktes gewesen. Viele von ihnen seien positiv getestet worden, obwohl sie keine Symptome zeigten. Ein Massentest bei mehr als 500 Personen war angeordnet worden, nachdem im Laufe der Woche erste Neuerkrankungen im Zusammenhang mit dem Markt festgestellt worden waren.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Für Peking ist das ein Schock: Fast zwei Monate lang waren in der Hauptstadt keine neuen Fälle mehr gemeldet worden. Gerade erst waren viele der strengen Einschränkungen gelockert worden. An diesem Montag sollte die Schule für Erst- und Drittklässler wieder beginnen. Doch das wurde nun abgesagt. Auch Kindergärten sollen nun vorerst geschlossen bleiben. Die Region rund um den Markt, der größte in ganz Peking, wurde weiträumig abgesperrt. Auch Wohnsiedlungen in der Gegend sowie ein weiterer, zehn Kilometer entfernter Markt wurden abgeriegelt. Zahlreiche Provinzen und Städte verhängten Quarantänepflicht für Personen, die aus der Hauptstadt anreisen.

          Flucht aus den Ferienorten

          Das durchkreuzt die Urlaubspläne vieler Pekinger, die aufgrund des massiv eingeschränkten internationalen Flugverkehrs im eigenen Land Urlaub machen wollten. Sie hatten gerade erst ihre neugewonnene Bewegungsfreiheit zu schätzen gelernt. Denn bis vor kurzem konnten sie die Stadt nicht verlassen, weil sie sonst bei der Rückkehr 14 Tage lang Quarantäne hätten einhalten müssen. Manche Pekinger Reisende verließen fluchtartig ihre Ferienorte, um einen Zwangsaufenthalt in einem Quarantänehotel zu umgehen. An den Zugängen zu vielen Kneipenstraßen in Peking wurden die Kontrollen mit Gesundheits-Apps verstärkt. Jede Stadt in China hat ihre eigene Software, die auswertet, ob eine Person in jüngster Zeit Stadtviertel oder externe Städte mit erhöhter Ansteckungsgefahr besucht hat. Im Ausgehviertel Sanlitun wurden am Wochenende teils zusätzliche QR-Code-gestützte Systeme eingeführt, in die Besucher ihre Daten eingeben mussten.

          Der oberste Epidemiologe der nationalen Seuchenschutzbehörde, Wu Zunyou, teilte am Sonntag mit, die Quelle des Ausbruchs sei noch nicht bekannt. Möglich seien kontaminierte Meeresfrüchte oder Fleisch. Denkbar sei aber auch, dass der Ausbruch auf einen Händler oder Besucher des Markts zurückgeht, der das Virus dort eingeschleppt haben könnte. Das erste Szenario sei wahrscheinlicher, sagte Wu.

          Hat sich das Virus über importierten Lachs übertragen?

          Zuvor hatten Berichte Aufsehen erregt, wonach Spuren des Virus auf dem Schneidebrett eines Händlers von importiertem Lachs gefunden wurden. Daraufhin nahmen zahlreiche Supermärkte und Restaurants Lachs aus ihrem Sortiment. Besonders betroffen sollen japanische Restaurants sein, obwohl Virologen im Staatsfernsehen versicherten, dass es „so gut wie unmöglich“ sei, dass Lachs ein Überträger des Virus sei.

          Im chinesischen Internet machten Witze die Runde, wonach Chinas Staatsmedien nun Norwegen als Ursprung des Coronavirus ausmachen könnten. Nicht nur die Probe von dem Schneidebrett, sondern 40 weitere Proben, die in dem Markt genommen wurden, wiesen jedoch Genmaterial des Virus auf. Die Behörden riefen jeden, der den Markt seit Ende Mai besucht hat, dazu auf, sich für einen Coronavirus-Test zu melden.

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