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Trump will Hilfe schicken : Washingtoner Medizin für Boris Johnson?

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Boris Johnson hatte seine Infektion mit dem neuartigen Erreger bereits am 27. März öffentlich gemacht. Bild: EPA

Der britische Premierminister wurde auf die Intensivstation verlegt. Donald Trump dient ihm „fortschrittliche Medikamente“ an. Außenminister Raab übernimmt derweil die Regierungsgeschäfte.

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          Der amerikanische Präsident Donald Trump will dem britischen Premierminister Hilfe von Pharmafirmen zukommen lassen. Wie Trump am Montag in einer Pressekonferenz sagte, habe er mehrere – ungenannte – Unternehmen gebeten, Kontakt zu Johnsons Ärzten aufzunehmen. Die Entscheidung, die „wirklich fortschrittlichen Medikamente“ zu nehmen, liege ganz bei Johnson und seinen Beratern, aber auf der Intensivstation zu sein, sei „eine ernste Sache“, so Trump. Weiter sagte der Präsident, alle Amerikaner beteten für Johnsons Gesundheit, der „ein guter Freund“ sei, der „nicht aufgibt“.

          Der britische Premierminister Boris Johnson war am Montag wegen seiner Covid-19-Erkrankung auf die Intensivstation verlegt worden. „Im Laufe dieses Nachmittags hat sich der Zustand des Premierministers verschlechtert und er wurde auf Anraten seiner Ärzte auf die Intensivstation des Krankenhauses verlegt“, hieß es in einer am Montagabend veröffentlichten Erklärung. Außenminister Dominic Raab sei gebeten worden, wo nötig die Amtsgeschäfte zu übernehmen. Das Pfund gab nach dem Bekanntwerden der Verlegung zum Dollar und zum Euro nach.

          In einer offiziellen Mitteilung der Downing Street heißt es: „Der Premierminister ist in hervorragenden Händen und dankt allen Mitarbeitern des (Gesundheitsdiensts) NHS für ihre harte Arbeit und ihr Engagement.“ Medienberichten zufolge ist Johnson bei Bewusstsein.

          Außenminister Raab übernimmt

          Raabs erste Amtshandlung als Premier-Vertreter wird an diesem Dienstag die Leitung der täglichen Corona-Videokonferenz des „Kriegs-Kabinetts“ sein, berichtete die Agentur PA. Bei der Bekämpfung des Virus wolle er sich an die von Johnson vorgegebene Linie halten, hieß es. Raabs Ambitionen, das Land zu regieren, dürfte am Dienstag in Erfüllung gehen, „vorübergehend und nicht unter den Umständen, die er erhofft hat“, schrieb PA. Die „Times“ bezeichnete Raab als „de facto-Premierminister“ seit Montagabend.

          Da es keinen festen Stellvertreter für den britischen Premier gibt, entscheidet dieser selbst, wer ihn vertritt.

          „Ich sende ihm alle guten Wünsche“

          Der 55 Jahre alte Johnson war am Sonntag in das St. Thomas’ Hospital gebracht worden. Er hatte seine Infektion mit dem neuartigen Erreger bereits am 27. März öffentlich gemacht. Zunächst arbeitete er isoliert im Regierungssitz in der Downing Street weiter. In seinen Videobotschaften zur Pandemie gab er sich optimistisch, er selbst wirkte aber bereits deutlich angeschlagen und hatte auch deutlich an Gewicht verloren. Später musste er dann aber wegen anhaltender Symptome in die Klinik gebracht werden.

          Er sei auf Anraten seines Arztes „zu einigen Routinetests“ ins Krankenhaus gegangen, hatte Johnson am Montag noch per Twitter mitgeteilt. Nach Angaben eines Regierungssprechers litt er unter Fieber und Husten.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel wünschte Johnson viel Kraft und gute Besserung. Sie hoffe, dass Johnson das Krankenhaus bald wieder verlassen könne, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag auf Twitter. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wünschte Johnson via Twitter eine schnelle Genesung.

          Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon twitterte: „Meine Gedanken sind beim Premierminister und bei seiner Familie – ich sende ihm alle guten Wünsche.“ Großbritanniens Finanzminister Rishi Sunak teilte per Twitter mit, seine Gedanken seien bei Johnson und dessen schwangerer Verlobter Carrie Symonds. Symonds verbrachte eine Woche mit Symptomen der Lungenkrankheit im Bett. Einen Test hatte sie nicht gemacht. Das Paar hatte Ende Februar seine Verlobung bekanntgegeben. Das Baby soll im Frühsommer auf die Welt kommen.

          Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte auf Twitter, Johnson habe ebenso wie das britische Volk „in diesem schweren Moment meine ganze Unterstützung.“ Er hoffe, dass der britische Regierungschef die Krankheit „schnell übersteht“.

          Ranghöchster Erkrankter

          Johnson ist weltweit der ranghöchste Politiker, bei dem eine Coronavirus-Infektion nachgewiesen wurde. Auch der britische Gesundheitsminister Matt Hancock und der Thronfolger Prinz Charles hatten sich mit dem Erreger Sars-Cov-2 infiziert. Beide sind aber inzwischen wieder genesen.

          Die britische Regierung steht im Kampf gegen die Pandemie unter erheblichem Druck: Durch einen Schlingerkurs verlor sie wertvolle Zeit, um den Ausbruch einzudämmen. Im chronisch unterfinanzierten Gesundheitsdienst NHS gibt es zudem nicht genügend Tests, Schutzausrüstungen und Beatmungsgeräte. Erste Kliniken meldeten britischen Medien zufolge sogar einen Mangel an Sauerstoff für die Beatmung der Lungenkranken.

          Raab will als Vertreter des erkrankten Regierungschefs den bisherigen Kurs im Kampf gegen das Coronavirus fortsetzen. Die Regierung werde sich darauf konzentrieren, die
          Vorgaben des Premierministers und die vorgesehenen Maßnahmen umzusetzen, „um das Coronavirus zu besiegen“, sagte Raab am Montagabend in der BBC.

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