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Corona in Südafrika : Die Mutante durchkreuzt die Impfpläne

Mitarbeiter des Steve-Biko-Academic-Krankenhauses Anfang Dezember in Pretoria vor einer Covid-19-Behandlungsstation Bild: EPA

Trotz der neuen Mutante sinken in Südafrika die Infektionszahlen. Doch neue Forschungsergebnisse trüben das Bild: Der Astra-Zeneca-Impfstoff bietet wohl nur „minimalen Schutz“ gegen die Variante. Sein Einsatz wurde nun ausgesetzt.

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          Mit großem Aufgebot war der südafrikanische Staatspräsident Cyril Ramaphosa am Flughafen in Johannesburg erschienen, begleitet von mehreren Kabinettskollegen. Die Ankunft der Emirates-Maschine aus Indien sollte endlich einen Lichtblick in der Corona-Pandemie liefern. An Bord befand sich die erste Ladung von Impfstoffen, eine Million Dosen des von Astra-Zeneca und der Oxford-Universität entwickelten Impfstoffes. 500.000 weitere Dosen sollten bald folgen.

          Claudia Bröll
          Politische Korrespondentin für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Genau eine Woche später aber haben neue wissenschaftliche Erkenntnisse den Hoffnungen einen kräftigen Dämpfer versetzt. Der Impfstoff biete nur „minimalen Schutz“ gegen milde und moderate Infektionen mit der neuen Variante B.1.351 – auch südafrikanische Variante genannt – bei jungen Erwachsenen, teilte die Johannesburger Witwatersrand-Universität am Wochenende mit. Die Effektivität gegen schwere Infektionen wurde in der Studie nicht untersucht. Am Sonntagabend kündigte der südafrikanische Gesundheitsminister Zweli Mkhize schließlich an, den Einsatz des Impfstoffs zunächst auszusetzen.

          Ausgangsbeschränkungen wurden gelockert

          Die Analysen hätten laut den Johannesburger Forschern zwar eine hohe Wirksamkeit gegenüber dem ursprünglichen Coronavirus gezeigt. Aber die ersten Daten, die noch wissenschaftlich begutachtet werden müssten, „scheinen die Theorien zu bestätigen, dass die Mutationen in Südafrika eine weitere Verbreitung des Virus unter geimpften Populationen zulassen“, schreiben sie. An der Studie hatten rund 2000 Menschen in einem Durchschnittsalter von 31 Jahren teilgenommen. Ob der Impfstoff mittlere oder schwere Erkrankungen, Krankenhauseinweisungen oder Todesfälle verhindert, konnte nicht untersucht werden.

          Südafrika hat gerade den Höhepunkt einer zweiten Infektionswelle hinter sich gelassen. Seit mehreren Wochen sinken die Neuinfektionen rapide. Vor einer Woche hatte Ramaphosa daher mehrere Ausgangsbeschränkungen gelockert. Der Verkauf von Alkohol ist beispielsweise mit Einschränkungen wieder erlaubt, die Sperrstunde wurde von 21 auf 23 Uhr verschoben, und die Strände wurden geöffnet. Das Strandverbot hatte für laute Proteste gesorgt und teils abstruse Szenen ausgelöst, als Polizisten Surfer verfolgten, die sich regelwidrig ins Wasser gewagt hatten.

          Die „Südafrika-Variante“ gilt als Hauptantreiber der zweiten Infektionswelle, die gemessen an den Neuinfektionen, Krankenhauseinweisungen und Todesfällen die erste Welle deutlich überschritten hatte. Genauso schnell, wie die Welle kam, scheint sie jetzt abzuebben. Zuletzt lag der Sieben-Tages-Durchschnitt unter 3000 Neuinfektionen am Tag, vor einem Monat betrug er noch knapp 20.000.

          Auch in den Krankenhäusern habe sich die Lage deutlich entspannt, sagt Wolfgang Preiser, Virologe an der Universität Stellenbosch, der F.A.Z. Die Zahl der Covid-Patienten aber sei immer noch höher als während des Höhepunkts der ersten Welle.

          Der Frankfurter Forscher und 45 weitere Wissenschaftler hatten kurz vor Weihnachten die Entdeckung einer „neuen Sars-CoV-2-Variante“ bekanntgegeben. Diese Virusvariante sei nach der ersten epidemischen Welle an der Küste der Provinz Ostkap aufgetaucht, hieß es in der Veröffentlichung. „Sie verbreitete sich schnell, wurde innerhalb von Wochen erst im Ostkap und dann im Westkap dominant.“ Die Tragweite der genetischen Veränderungen müsse noch vollständig untersucht werden, doch „einiges deutet auf eine höhere Übertragbarkeit hin“.

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