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Impfpasspflicht in Italien : Ohne Impfung kein Cappuccino

Archivbild von 2020: Zwei Frauen bei einem Kaffee in Rom Bild: dpa

In Italien steigt die Zahl der Corona-Infektionen. Mit einer Impfpasspflicht für Restaurants, Kaffeebars, Kinos, Züge und weitere Bereiche will die Regierung in Rom gegensteuern. Für Lehrer gilt künftig eine Impfpflicht.

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          Im Restaurant und Strandbad „La Rotta“ in Agrigent auf Sizilien sind sie mit gutem Beispiel vorangegangen – oder in vorauseilendem Gehorsam. Jedenfalls erhält dort seit dem 15. Juli abends nur noch Zutritt, wer den „grünen Pass“ vorzeigen kann. Weil es nach dem Digestif im Restaurant am angeschlossenen Strand so voll werde, dass man die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln nicht mehr kontrollieren könne, habe man sich zu dem Schritt entschlossen, sagen die Brüder Andrea und Mirko Franco, die das Lokal seit 2017 betreiben.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Reaktion der Kundschaft war geteilt. Es gab Verständnis und Zustimmung, aber vor allem Enttäuschung und wütende Ablehnung. Reservierungen wurden reihenweise storniert, zumal von größeren Familien und größeren Tischgesellschaften: Weil noch nicht alle in der Gruppe geimpft, genesen oder getestet waren, wollten auch die Besitzer eines grünen Passes unter ihnen nicht kommen. Impfgegner fanden sich vor dem Lokal ein und beschimpften die Sicherheitsleute, die von den Betreibern zur „Passkontrolle“ an den Eingängen eingestellt worden waren. Auf den einschlägigen Internetportalen hagelte es negative Bewertungen für Restaurant und Strandbad.

          Bis Ende August reicht eine Impfung

          „Wir haben gegen niemanden etwas und sind absolut für die Freiheit“, sagt Eigentümer Andrea Franco: „Es gibt Leute, die nicht verstehen, dass wir uns noch immer in einer gesundheitlichen Notlage befinden. Unsere Entscheidung ist doch nur logisch, um die Gesundheit unserer Kunden zu schützen. Die Impfgegner wollen uns fertig machen, aber wir geben nicht auf!“ Bald wird „La Rotta“ in guter, jedenfalls allumfassender Gesellschaft sein.

          Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi im Mai 2021 in Rom während einer Pressekonferenz zum EU-Corona-Pass
          Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi im Mai 2021 in Rom während einer Pressekonferenz zum EU-Corona-Pass : Bild: dpa

          Denn die Passpflicht für den Besuch von Restaurants und Kaffeebars soll von Montag an für ganz Italien kommen. Bis Ende August soll immerhin noch die alte Regelung gelten, wonach der italienische grüne Pass schon nach der ersten Impfdosis ausgestellt wird. Von September an ist dann die vollständige Immunisierung mit zwei Dosen erforderlich, um den grünen Pass zu erhalten. Den grünen Pass bekommt außerdem, wer in den zurückliegenden sechs Monaten von einer Covid-19-Erkrankung genesen ist oder einen negativen Coronatest vorweisen kann, der nicht älter als 48 Stunden sein darf.

          Die Passpflicht gilt neben Restaurants und Kaffeebars für Sportveranstaltungen und Konzerte, für Diskotheken, Kinos und Theater, für Messen und Fitnesscenter sowie in Flugzeugen, Zügen und Überlandbussen. Auch bei Feiern und Festen nach zivilen und religiösen Zeremonien sind die Veranstalter für die Passkontrolle verantwortlich. Wer der Kontrollpflicht nicht nachkommt, riskiert die Schließung seiner Einrichtung für fünf Tage. Wer seinen grünen Pass fälscht oder sich ohne diesen Zutritt zu den betreffenden Einrichtungen verschafft, muss mit einer Geldstrafe von bis zu 400 Euro rechnen.

          Noch gelten alle zwanzig Regionen des Landes als „weiße Zonen“ mit dem geringsten Infektionsrisiko. Aber gerade in beliebten Urlaubsgebieten wie auf den Mittelmeerinseln Sardinien und Sizilien, dazu in Venetien sowie in der Hauptstadtregion Latium sind die Infektionen zuletzt wieder so stark gestiegen, dass nach der bisher gültigen Corona-Ampel die Einstufung als „gelbe Zone“ mit erhöhtem Risiko droht.

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