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Impfkampagne in Israel : Die Jungen wollen keine Spritze

Ein Mediziner in einem temporären Impfzentrum in Netivot, Israel am 4. Februar Bild: Reuters

Drei Viertel der Corona-Neuinfektionen in Israel gehen auf junge Menschen zurück, denn die lassen sich nur zögerlich impfen. Jetzt mahnt Ministerpräsident Netanjahu persönlich.

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          Die Impfstation ist nahezu leer, die Wartezeit beträgt kaum fünf Minuten. Nach der Impfung sagt Esther, die Krankenschwester, sie habe immer weniger zu tun. Es komme kaum noch jemand. Und das liege nicht nur an der erfolgreichen Impfkampagne, sondern an den zögerlichen jungen Leuten. In Israel dürfen sich alle Bürger ab 16 Jahren impfen lassen. Aber viele kommen nicht. „Die denken, sie brauchen den Impfstoff nicht und dass ihnen nichts etwas anhaben kann.“

          Jochen Stahnke
          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          In Israel waren am Sonntag 3,8 Millionen der gut neun Millionen Einwohner mit einer ersten Dosis geimpft, davon zweieinhalb Millionen auch mit der zweiten Dosis. Die Impfkampagne scheint Wirkung zu erzielen. Am Wochenende fiel die Zahl der Schwerkranken Corona-Patienten auf rund eintausend, und die schweren Neuerkrankungen insbesondere in der über sechzig Jahre alten Risikogruppe gingen deutlich zurück.

          Netanjahu ruft Junge zum Impfen

          Die Wirkung des Pfizer-Biontech-Vakzins wird in Israel bestätigt: Von 523.000 mit beiden Dosen Geimpften erkrankten anschließend nur 544 Personen an Covid-19, davon lediglich vier schwer, wie die Krankenkasse Maccabi bekanntgab.

          Die Reproduktionsrate fiel von 1 in der vergangenen Woche auf nun 0,85, teilte die Arbeitsgruppe des Militärgeheimdienstes mit. Gleichzeitig aber seien vierzig Prozent der schweren Fälle nun Personen unter sechzig Jahren. Nach anderen Angaben ist das Alter der meisten neuen Infizierten sogar noch niedriger. „Fünfundsiebzig Prozent der Neuinfektionen – weniger als 39 Jahre alt“, twitterte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Sonntag. „Junge Leute, worauf wartet ihr noch?“

          Am Wochenende wurden in einem ersten Schritt zunächst die Nationalparks und Ausflugsziele in der Natur wieder geöffnet. Dieses Angebot nahmen viele Israelis wahr, und die Mediziner vom Roten Davidstern nutzten die Gelegenheit und stellten mobile Impfstationen an die Eingänge der Parks, um weitere Bürger zum Impfen zu bewegen.

          Am Donnerstag hatte die Zeitung „Haaretz“ gemeldet, zwei Millionen Israelis im Alter von 16 bis 49 Jahren seien noch ungeimpft. Ein weit überproportionaler Anteil davon seien ultraorthodoxe sowie arabische Israelis. Zum Freitagsgebet vor der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem etwa kamen fünfzehntausend Muslime zusammen, ohne Abstandsregeln einzuhalten. Am Sonntag gab der Nationale Sicherheitsberater bekannt, dass 570.000 Israelis über fünfzig ebenfalls noch keine Impfung erhalten haben.

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          Dies erschwert einen Plan des Gesundheitsministeriums, der Berichten zufolge eine weitgehende Wiederöffnung des Landes vorsieht, sobald vier Millionen Israelis geimpft seien, von denen aber 95 Prozent fünfzig Jahre oder älter sein sollen. Um einen weiteren Anreiz zu schaffen, sich impfen zu lassen, wird im Parlament die Ausgabe eines grünen Passes diskutiert, mit dem es Geimpften dereinst möglich sein soll, wieder am öffentlichen Geschäfts- und am Kulturleben teilzunehmen.

          Seit einigen Tagen kann man sich nach der zweiten Impfung ein entsprechendes Zertifikat von der Internetseite des Gesundheitsministeriums herunterladen, das die Daten von Geimpften zentral speichert. Noch aber gibt es Vorbehalte insbesondere im Gesundheitsministerium gegenüber einer raschen Öffnung. Am Sonntag sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor dem Corona-Kabinett, Israel benötige mindestens fünf Millionen Geimpfte, bevor man das Land wieder öffnen könne.

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