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„Manche sind unverantwortlich“ : Erster Corona-Fall in griechischem Lager wirft Fragen auf

Wehe, wenn das Virus kommt: Ein Junge spielt mit einem Roller vor Müllsäcken im Flüchtlingslager Moria. Bild: dpa

Migrationsminister Mitarakis wirft mehreren örtlichen Verwaltungen in Griechenland unverantwortliches Verhalten vor. Den überfüllten Lagern in der Ägäis droht für den Fall eines massenhaften Corona-Ausbruchs großes Unheil.

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          Nachdem erstmals eine Sars-CoV-2-Infektion bei einer Bewohnerin eines griechischen Aufnahmelagers für Migranten und Flüchtlinge nachgewiesen wurde, hat Migrationsminister Notis Mitarakis am Mittwoch deutliche Kritik an einigen Ortsverwaltungen in Griechenland geübt. Manche Gemeinden benähmen sich „unverantwortlich“, so der Minister in einem Radiointerview. Als Beispiel nannte er den Widerstand insbesondere auf den Inseln Chios und Lesbos gegen Regierungspläne zur Errichtung zusätzlicher, allerdings geschlossener Lager an, die nach offizieller Athener Lesart besser und sicherer für die Bewohner sein sollen.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Während auf Kos und Leros sowie partiell auf Samos die Pläne inzwischen Unterstützung fänden, sei dies auf Lesbos und Chios weiterhin nicht der Fall, weshalb die vollkommen überfüllten derzeitigen Lager dort weiterhin in Betrieb seien, erläuterte der Minister. Das sei die schlechteste mögliche Lösung, doch werde sich daran aufgrund der „unrealistischen Entscheidungen“ der Gemeinden einstweilen nichts ändern, wurde der Minister weiter zitiert. Die Lokalpolitiker auf den genannten Inseln fordern, alle Fremden auf das Festland zu bringen.

          Zuletzt auch mit Hinweis auf die Seuchengefahr in den Lagern auf den Inseln erheben „Ärzte ohne Grenzen“ und andere Hilfsorganisationen ebenfalls solche Forderungen. Der erste Fall einer nachgewiesenen Infektion steht allerdings mit einem Aufnahmelager auf dem Festland in Verbindung. Dort ist die Lage nicht so angespannt wie auf den Inseln. Nachgewiesen wurde das Virus bei einer Schwangeren, die zur Entbindung in ein Athener Krankenhaus gebracht worden war. Die aus Afrika stammende Frau hatte sich zuvor in einem Aufnahmelager nördlich von Athen aufgehalten. Nun wollen die Behörden untersuchen, ob sie das Virus von dort mitgebracht oder sich im Krankenhaus angesteckt habe.

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          In den Lagern auf den Inseln gibt es keine Möglichkeit, die auch in Griechenland überall verfügten Abstandsregeln einzuhalten. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen gibt derzeit nach eigenen Angaben mehr Geld an die Bewohner aus, damit diese sich mit Seife und Desinfektionsmitteln eindecken können. Doch die Waschgelegenheiten in den Lagern sind weiterhin vollkommen überbelegt, die Toiletten unhygienisch. Wie die Behörden im Falle eines massenhaften Ausbruchs der Krankheit in den Lagern reagieren wollen, ist unklar. Im Zuge der sich verschärfenden Maßnahmen bei der Bekämpfung der Pandemie ist es den Bewohnern auch der formal offenen Lager nur noch in Polizeibegleitung erlaubt, zum Einkaufen in den nächsten Ort zu gehen.

          Derzeit befinden sich auf den fünf am stärksten betroffenen ägäischen Inseln nach Angaben der griechischen Behörden etwa 42.000 Migranten und Geflüchtete. Ausgelegt sind die dortige Lager aber nur für wenige tausend Bewohner. Bisher hatte das Coronavirus trotz den extremen Enge, in der die Menschen zu leben gezwungen sind, dort nicht um sich gegriffen hat. Die Regierung führt das vor allem darauf zurück, dass alle Asylsuchenden, die seit dem ersten März ins Land kamen, nach der einmonatigen Aussetzung des Asylrechts sofort in neue Lager ans Festland überführt wurden, aus denen sie abgeschoben werden sollen. Griechenland hat die einmonatige Aussetzung des Asylrechts nicht in den April hinein verlängert, aber angekündigt, dass Anträge einstweilen aufgrund der Corona-Krise „aus technischen Gründen“ nicht bearbeitet werden.

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