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Nach Kritik an langer Frist : Frankreich führt Maskenpflicht früher ein als geplant

Macron und Premierminister Castex am Dienstag bei den Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag mit Maske. Bild: AP

Eigentlich sollte die Maskenpflicht in öffentlichen geschlossenen Räumen erst im August kommen. Nach heftiger Kritik gilt sie nun schon ab nächster Woche. Neue Corona-Hotspots und Hochrisikogebiete versetzen das Land in Alarmbereitschaft.

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          Frankreich führt von Anfang nächster Woche an eine allgemeine Schutzmaskenpflicht ein, die in allen öffentlichen geschlossenen Räumen gelten soll. Premierminister Jean Castex kündigte am Donnerstag im Senat an, dass ein entsprechendes Regierungsdekret unterzeichnet werde. Zunächst hatte die Regierung die Schutzmaskenpflicht erst zum 1. August verhängen wollen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          „Ich habe verstanden, dass die Frist lang erschien und Fragen hervorgerufen hat. Deshalb wird das Dekret schon nächste Woche in Kraft treten“, sagte Castex. Ärzteverbände hatten sich darüber empört, dass die Regierung sich zwei Wochen Zeit lasse mit der Schutzmaskenpflicht, die Ansteckungsketten aber viel schneller als die bürokratischen Prozeduren seien.

          Gesundheitsminister Olivier Véran warnte am Donnerstag vor „ersten Anzeichen“ einer neuerlichen Intensivierung des Infektionsgeschehens aus den Pariser Krankenhäusern. Das als sozialer Brennpunkt bekannte Département Seine-Saint-Denis um den Großflughafen Charles de Gaulle verzeichnete einen Anstieg der Infektionen. Besonders besorgt ist die Regierung über die Lage im Département Mayenne, das am Donnerstag als Hochrisikogebiet eingestuft wurde. Mit 50,1 Infektionsfällen auf 100.000 Einwohner wurde erstmals seit Ende des strikten Lockdowns die „Alarmhürde“ von mehr als 50 Infektionsfällen überschritten.

          Das Gebiet in der Loire-Region grenzt an die Bretagne und war während der ersten Epidemie-Welle weitgehend verschont geblieben. Als Cluster wurden zwei Schlachthöfe, ein Altenpflegeheim, eine Schule sowie ein soziales Notaufnahmezentrum und ein Wohnheim für bedürftige Arbeiter ausgemacht. In dem Département wurde eine breitangelegte Test-Kampagne gestartet.

          Maskenpflicht bisher nur in öffentlichen Verkehrsmitteln

          Der französische Präsident, der einer Maskenpflicht lange ablehnend gegenüber stand, sieht im Tragen von Mund-und-Nasenschutzmasken inzwischen ein wichtiges Mittel zur Eindämmung der Epidemie. „Ich empfehle allen unseren Mitbürgern, die zuhören, die Maske so oft wie möglich zu tragen, wenn sie sich im Freien aufhalten, und noch mehr, wenn sie sich in einem geschlossenen Raum befinden“, sagte Macron am Nationalfeiertag.

          In Frankreich gilt bisher nur in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maskenpflicht. Geschäfte oder andere Einrichtungen konnten selbst entscheiden, ob die Menschen eine Maske tragen müssen. Führende Wissenschaftler sprachen sich in einem Aufruf für die Einführung einer Maskenpflicht aus. „Leider folgen die politisch Verantwortlichen nicht immer die Empfehlungen, die sie so gern aussprechen“, heißt es in dem Aufruf, den auch viele Ärzte unterschrieben.

          Als besonders schockierend war empfunden worden, dass Präsident Macron Ende Juni in Le Touquet ein Bad in der Menge nahm – ohne eine Schutzmaske zu tragen. Ähnliche Szenen waren auch in Marseille zu beobachten, als die neue grüne Bürgermeisterin ihre Mitstreiter lange umarmte und die sozialen Abstandsregeln auch beim ersten Kontakt mit den Bürgern nicht beachtete.

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