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Öffnungen in Frankreich : Macron kümmert sich nicht um Inzidenzwerte

Der französische Präsident Emmanuel Macron am 17. März bei einem Krankenhausbesuch am Stadtrand von Paris Bild: AFP

Frankreich arbeitet an einem abgestuften Öffnungsplan nach britischem Vorbild – trotz hoher Infektions- und Todeszahlen. Inzidenzen oder die Auslastung der Intensivstationen sollen bei den Lockerungen keine Rolle spielen.

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          Frankreich arbeitet an einem abgestuften Öffnungsplan nach britischem Vorbild. Trotz unvermindert hoher Infektions- und Todeszahlen hat Präsident Emmanuel Macron seinen Landsleuten im dritten Lockdown jetzt eine Lockerungsperspektive für Mitte Mai aufgezeigt. Am Donnerstagabend stimmte sich der Staatschef mit den wichtigsten Kabinettsmitgliedern sowie mit Bürgermeistern über die Öffnungsszenarien ab. Der Präsident weigert sich, allgemeingültige Kriterien wie Inzidenzwerte oder die Auslastung der Intensivstationen für die geplanten Lockerungen heranzuziehen.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          In dem Gespräch mit den Bürgermeistern betonte Macron, dass Kindergartenkinder und Grundschüler wie geplant am 26. April in die Einrichtungen und Schulen zurückkehren sollen. Vom 3. Mai an sollen auch die älteren Schüler wieder Präsenzunterricht erhalten. Für Schüler der gymnasialen Oberstufe werde an einem Modell mit halben Klassenstärken gearbeitet.

          „An den Daten zur Schulöffnung will der Präsident nicht rütteln“, sagte die am Austausch beteiligte Bürgermeisterin Marie-Claude Jarrot aus Montceau-les-Mines. Die Regierung sorgt sich um das seelische Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen. Macron hat angekündigt, dass die staatliche Krankenversicherung bis zu zehn Beratungsstunden bei Kinderpsychologen übernimmt. „Hinter der Epidemie verbirgt sich ein versteckter Kontinent: das Leiden unserer Jüngsten“, twitterte Macron nach einem Besuch in der Psychiatrie und Kinderabteilung der Uniklinik in Reims.

          Intensivstationen zu 117 Prozent ausgelastet

          Die beigeordnete Industrieministerin Agnès Pannier-Runacher kündigte am Freitag an, dass von Mitte Mai an Museen sowie Außenterrassen von Restaurants und Cafés öffnen sollen. „Wir bereiten strikte Schutzprotokolle vor, damit wir von Mitte Mai an öffnen können“, sagte sie im Fernsehsender BFM-TV. In den vergangenen 24 Stunden wurden wieder 38.045 Corona-Infektionen registriert.

          Die Situation in den Intensivstationen hat sich trotz neuer Einschränkungen nicht entspannt, landesweit beläuft sich die Auslastung auf 117 Prozent. Derzeit sind alle Schulen und Einrichtungen für jüngere Kinder geschlossen, Frankreich hat die Frühlingsferien vorgezogen.

          Reisen im In- und Ausland sind nur mit triftigem Grund erlaubt. Es gilt weiterhin eine abendliche Ausgangssperre von 19 bis 6 Uhr. Alle nicht für das alltägliche Leben notwendigen Geschäfte sind geschlossen. Restaurants, Cafés, Theater, Kinos, Museen und andere Kultureinrichtungen haben seit Ende Oktober nicht öffnen dürfen.

          Frankreich hat die symbolische Schwelle von 100.000 Covid-19-Toten überschritten. „Wir werden kein Gesicht, keinen Namen vergessen“, sagte Präsident Macron. Zugleich betonte er, dass Frankreich „seine ganze Energie auf den Ausstieg aus der Krise konzentriert“. „Alle unsere Kräfte sind in der Schlacht gegen die Epidemie mobilisiert. Aber es wird der Moment einer Hommage für die Opfer und der nationalen Trauer kommen“, sagte Regierungssprecher Gabriel Attal.

          Besonders beunruhigt ist die französische Regierung über die mögliche Ausbreitung der brasilianischen Virusmutante. Alle Flüge aus Brasilien nach Frankreich sind bis auf weiteres suspendiert. Die Landgrenze zwischen Französisch-Guyana und Brasilien wurde geschlossen und wird kontrolliert. Aber es mangelt an Zollbeamten für lückenlose Kontrollen an der 730 Kilometer langen Landgrenze. Die brasilianische Variante wütet bereits in Guyana und ist dort für 85 Prozent der Infektionen verantwortlich.

          Die Flüge zwischen Paris und Cayenne sind nicht eingestellt worden. Die französische Regierung erwägt stattdessen Zwangsisolierzeiten für Reisende aus bestimmten Risikogebieten einzuführen. „Wir arbeiten daran. Aber wir müssen sicherstellen, dass die Isolierpflicht überprüfbar und anwendbar ist“, sagte der Regierungssprecher im Radiosender France Info.

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