https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/corona-in-den-usa-bidens-impfpflicht-verwirrt-unternehmen-17694802.html
Bildbeschreibung einblenden

Corona in den USA : Bidens Impfpflicht verwirrt die Unternehmen

In Boston protestieren Menschen gegen eine Impfpflicht in der Stadt. Bild: AFP/Joseph Prezioso

Präsident Joe Biden wollte auch dem privaten Sektor Impfungen vorschreiben. Nach langem Rechtsstreit könnte es nun losgehen, doch gerade viele Arbeitgeber sind verwirrt. Derweil ist Omikron in den USA schon dominant.

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          Chaos, Verwirrung, Zumutung – das sind die Worte, mit denen sich zur Zeit viele Arbeitgebervertreter in amerikanischen Medien über die Impfpflicht für ihre Mitarbeiter beschweren. „Völlig verwirrt“ seien ihre Mandanten, zitierte die „New York Times“ eine Anwältin, die große Unternehmen zu ihren Kunden zählt. Auf dem Papier gilt die Impfplicht längst, aber noch müssen sich die amerikanischen Arbeitgeber gar nicht daran halten.

          Präsident Joe Biden hatte größeren Firmen vorgeschrieben, ihre Belegschaft impfen oder wöchentlich testen zu lassen. Das betrifft alle Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern und damit 84 Millionen Menschen. Die Regelung stockte allerdings vor den Gerichten, bevor ein Bundes-Berufungsgericht sie vor einigen Tagen bestätigte.

          Entscheidung des Obersten Gerichtshofs?

          Nun beantragten 26 Arbeitgeberorganisationen und religiöse Verbände eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes über die Impfpflicht. Die Arbeitgeber beklagen, sie hätten zu wenig Zeit, um ihre Testsysteme auszubauen. Das Arbeitsministerium verschob unterdessen die Fristen, so dass die Unternehmen sich formell erst im Februar an die neue Regelung halten müssen.

          Bei den größten Unternehmern der USA führte die Ankündigung einer Impfpflicht aber laut dem Weißen Haus bereits zu Erfolgen. So habe der Anteil der Geimpften davor beim Lebensmittelhersteller Tyson Foods zum Beispiel nur bei 45 Prozent der Belegschaft gelegen – heute seien 75 Prozent geimpft. Bei Walmart sind es laut Informationen der „New York Times“ bislang 66 Prozent der rund 1,6 Millionen Mitarbeiter landesweit. Tech-Unternehmen wie Google und Facebook hatten die Impfung schon vor der Regierungs-Initiative verordnet.

          Staaten und Kommunen erlassen eigene Regeln

          Auch Bundesstaaten und Städte können strengere Vorschriften erlassen. Die Stadt New York geht dabei am weitesten und schreibt allen Unternehmen unabhängig von ihrer Größe vor, dass die Belegschaft geimpft sein muss. Es gibt keine Möglichkeit, die Impfung durch Tests zu umgehen. Die Regelung gilt ab dem 27. Dezember und betrifft 184.000 Firmen.

          Zu diesen Unternehmen gehört auch der konservative Sender Fox News, der zwar die Ansichten vieler Rechter gegen die Impfung verbreitet, seinen eigenen Angestellten aber schon länger eine Impfung vorschrieb. Nun schaffe man auch die Alternative, sich negativ testen zu lassen, ab, erklärte die Fox Corporation, deren New Yorker Belegschaft bereits zu 90 Prozent immunisiert sei.

          Die amerikanische Bundesregierung will bisher keine Booster-Impfung vorschreiben, einzelne Unternehmen wie die Investment-Bank Goldman Sachs verlangen sie aber von ihren Angestellten. Fachleuten zufolge wäre es rechtlich nicht möglich, die dritte Injektion für verpflichtend zu erklären, da die Organisation der Boosterimpfungen vielerorts immer noch stockt. Etwa 202 Millionen Einwohner sind vollständig geimpft, das sind 61 Prozent der Bevölkerung, aber nur 18 Prozent haben bislang auch eine Booster-Impfung erhalten. Auch an Testkapazitäten fehlt es in vielen Gemeinden weiter.

          Neue Welle in den USA

          Unterdessen gehen viele Angestellte, die zumindest tageweise wieder im Büro waren, erneut zurück ins Home Office. Vor den Arztpraxen und den Zelten der mobilen Tester bilden sich lange Schlangen.

          In den USA werden zur Zeit im Sieben-Tages-Durchschnitt rund 133.000 neue Covid-Infektionen gemeldet. Allein in New York City gab es am Montag 15.245 neue Fälle, was ein Höchststand seit dem Beginn der Pandemie war – die Zahl ist auch der Tatsache geschuldet, dass es durch die Omikron-Variante nicht nur mehr Infektionen, sondern auch eine stark erhöhte Nachfrage nach Tests gibt.

          F.A.Z. Newsletter Gesundheit

          Täglich um 12.00 Uhr

          ANMELDEN

          Omikron ist in den USA mittlerweile die vorherrschende Virus-Variante. 73 Prozent der Neuansteckungen seien auf Omikron zurückzuführen, teilt die Seuchenbehörde CDC mit. In der Woche zuvor waren erst knapp 13 Prozent der Fälle auf die Variante zurückgeführt worden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          TV-Kritik „Hart aber fair“ : Hört auf diese Frau

          Börsenexpertin Anja Kohl fährt die sozialpolitischen Krallen aus. Bei Frank Plasberg erteilt sie Lektionen zu Preissteigerungen, mit denen anwesende Abgeordnete eigentlich etwas anfangen könnten. Wenn sie sich nicht an überholte Konzepte klammerten.
          Freude pur mit Plattenhardt (l.): Hertha BSC Berlin bleibt in der Bundesliga

          Bundesliga-Relegation : Plattenhardt rettet Hertha

          Der Berliner Linksverteidiger bereitet das 1:0 vor und erzielt den entscheidenden zweiten Treffer. Hertha bleibt in der Bundesliga, die Mission von Trainer Magath „ist jetzt beendet“. Der HSV muss in sein fünftes Zweitligajahr.
          Fast unbeschwerter Frühling: Menschen sitzen in Berlin bei einem Straßenfest an Biertischen vor dem Brandenburger Tor.

          Keine Panik : Fachärzte warnen vor Aufregung wegen Affenpocken

          Eine Affenpocken-Epidemie werde es in Deutschland kaum geben, sagen Experten, die sich mit Erregern auskennen. Der Verbreitungsweg sei ein anderer als bei Corona, und die erhöhte Wachsamkeit werde ein übriges tun.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis
          Sprachkurs
          Lernen Sie Englisch
          Kapitalanlage
          Pflegeimmobilien als Kapitalanlage
          Automarkt
          Top-Gebrauchtwagen mit Garantie