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Coronavirus in Paraisópolis : In der Favela kann man nicht zu Hause bleiben

Auch hier wird gegen das Coronavirus gekämpft: Bewohner in der brasilianischen Favela Paraisópolis Bild: Reuters

In einer der größten und ältesten Favelas Brasiliens ist soziale Distanzierung unmöglich. Wer einen Laden hat, muss ihn aufmachen, um zu überleben – Corona-Krise hin oder her.

          5 Min.

          Im Nagelstudio streckt eine Kundin die Hände aus, um sich die Nägel machen zu lassen. Im Hintergrund laufen der Fernseher und ein Ventilator, der die Luft im engen Raum in Bewegung hält. Eine alltägliche Szene, wäre da nicht die Corona-Krise. „Eigentlich haben wir nicht geöffnet“, sagt die Besitzerin. Doch für Freundinnen und ihre treuesten Kundinnen hat sie heute aufgemacht. Fünfzehn Tage war das Studio geschlossen. „Nun geht es nicht mehr. Wir können nicht zu Hause bleiben. Wie soll ich sonst meine Rechnungen bezahlen?“ Vielen kleinen Gewerbetreibenden im Quartier geht es ebenso. Tag für Tag ziehen ein paar mehr die Rollläden ihrer kleinen Geschäfte hoch, werden es mehr Leute, die in den engen Straßen und Gassen von Paraisópolis zu sehen sind.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Paraisópolis ist eine der größten und ältesten Favelas Brasiliens. Die Siedlung in unmittelbarer Nähe des vornehmen Viertels Morumbi in São Paulo zählt rund 120.000 Einwohner. Sie leben auf engstem Raum in selbstgebauten Backsteinhäusern, die immer weiter in die Höhe wachsen, da kein Platz mehr vorhanden ist. Die Favela gleicht einer eigenständigen Kleinstadt, die nicht mehr als Armenviertel bezeichnet werden kann, wenngleich ihre Bewohner zu den untereren Einkommensschichten zählen. In den vergangenen Jahren ist ein reges Geschäftsleben entstanden, mit einem jährlichen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro.

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