https://www.faz.net/-gpf-9y4z0

Pandemie in Belarus : Trecker fahren gegen Corona

Keine Einschränkungen: Arbeiter gehen nach ihrer Schicht in einer Traktorfabrik in Minsk nach Hause. Bild: Reuters

Belarus widersetzt sich im Kampf gegen das Coronavirus dem Trend zu strikten Maßnahmen, das öffentliche Leben geht seinen Gang, Dauerpräsident Lukaschenka klopft Sprüche. Die Sorgen im Land und bei den Nachbarn nehmen zu.

          4 Min.

          Litauens Präsident, Gitanas Nauseda, ist beunruhigt. Der offiziellen Statistik des Nachbarlands Belarus zur Ausbreitung des Coronavirus sei nicht zu trauen, sagte Nauseda am Mittwoch. Belarus unterschätze den Ausbruch, die Lage im Land sei bedeutend schlechter als dargestellt, Präsident Alexander Lukaschenka beurteile sie „mit einer gewissen Prahlerei“. Belarus mit knapp zehn Millionen Einwohnern, das Lukaschenka seit mehr als einem Vierteljahrhundert autoritär-autokratisch beherrscht, ist das einzige Land der Region, das in der Pandemie weder seine Grenzen geschlossen noch das öffentliche Leben eingeschränkt hat. Fabriken arbeiten,  Restaurants und Märkte haben geöffnet, Universitäten lehren weiter, auch Schulen, wobei Lukaschenka „ängstlichen“ Eltern freistellt, ihre Kinder zu Hause zu lassen. Eishockeyspiele finden weiter statt, erst am vergangenen Samstag mit Lukaschenka selbst. „Auf dem Eis gibt es keine Viren“, sagte der Präsident dabei, und: „Besser im Stehen sterben, als auf Knien zu leben.“

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Fans in aller Welt schauen inzwischen belarussische Fußballspiele, auch wenn sich zuletzt Fußballspieler und Fans über die Gefahren beklagt haben, die der fortgesetzte Spielbetrieb bringt. Anhänger des Erstligavereins Njoman Hrodna teilten nun gar mit, sie würden keine Spiele mehr besuchen: „Uns belügt jemand.“

          Schon die Suche nach offiziellen Zahlen zum Coronavirus in Belarus ist schwierig. Das Gesundheitsministerium veröffentlicht sie nicht täglich.  Am Donnerstag meldete es 300 Corona-Infektionen, fast doppelt so viele wie am Montag. Da sollten noch 47 Patienten genesen sein, am Donnerstag nur noch 42. Lukaschenka hat hingegen von mehr als hundert Geheilten gesprochen und behauptet, Belarus erlebe gerade den „Peak“ in der Infektionswelle.

          Corona-Todesfälle sind Chefsache. Lange wurde kein einziger Fall gemeldet. Anfang der Woche starb dann der 75 Jahre alte Schauspieler Viktor Daschkewitsch in Witebsk nahe der Grenze zu Russland. Das Gesundheitsministerium teilte mit, der Mann habe Vorerkrankungen gehabt und sich bei einer Probe mit dem Coronavirus angesteckt. Als Todesursache galt aber eine Lungenentzündung. Erst Lukaschenka selbst erklärte Daschkewitsch zum ersten Coronavirus-Toten in Belarus. Der Mann sei schon zehn Jahre in Rente gewesen, aber noch zur Arbeit gegangen, obwohl ältere Menschen eine schwächere Immunität hätten. „Ich verurteilte das nicht“, sagte Lukaschenka. „Vielleicht war er einfach ein mutiger Mensch, aber man muss auf sich aufpassen.“ Am Donnerstag sprachen Lukaschenka und im Anschluss daran sein Gesundheitsministerium von vier Todesfällen. 

          Weitere Themen

          Berliner: „Wer soll denn das bezahlen?“ Video-Seite öffnen

          Gekippter Mietendeckel : Berliner: „Wer soll denn das bezahlen?“

          Nachdem das Bundesverfassungsgericht den Berliner Mietendeckel für nichtig erklärt hat, zeigen sich viele Berliner besorgt. Denn Mieter müssen nicht gezahlte Mieten nun nachzahlen. Michael Müller will prüfen „inwieweit soziale Härten bei Nachforderungen an Mieter abgefedert werden können“.

          Kippt die Obergrenze für Mieten?

          F.A.Z.-Frühdenker : Kippt die Obergrenze für Mieten?

          Das Bundesverfassungsgericht fällt sein Urteil über den Berliner Mietendeckel. Auch die Nato zieht ihre Truppen aus Afghanistan ab. Und die CDU wünscht sich ein Ende des Machtkampfes. Der F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.

          Topmeldungen

          So sieht der EQS aus.

          Der neue EQS : 770 Kilometer soll er schaffen

          Der EQS ist die elektrische Version der S-Klasse und gleichzeitig deren Konkurrent. Mit beiden will Daimler dicke Margen einfahren.
          Die damalige Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) und der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) besuchen im September 2019 Baustellen landeseigener Wohnungsbaugesellschaften.

          Berliner Mietendeckel : Ein Desaster für Rot-Rot-Grün

          Der gescheiterte Mietendeckel in Berlin war das zentrale Projekt von SPD, Grünen und Linken. Aufgeben wollen die Parteien die Idee aber nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.