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Indische Virusvariante : Melbourne geht zurück in den strikten Lockdown

Wartende vor einem Impfzentrum in Melbourne am Donnerstag Bild: AFP

Ein harter Lockdown soll in dem australischen Bundesstaat Victoria die aus Indien kommende Virusvariante B1.617 aufhalten. Sie breitet sich derzeit sehr schnell aus.

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          Aus Sorge um eine rasche Verbreitung der zuerst in Indien aufgetretenen Virusvariante B1.617 verhängt der australische Bundesstaat Victoria mit der Millionenmetropole Melbourne zum vierten Mal seit dem Beginn der Pandemie einen strikten Lockdown. Der „Circuit Breaker“ beginnt um Mitternacht in der Nacht auf Freitag und gilt zunächst für eine Woche. Die Vorschriften sind schon wie bei den früheren Ausgangssperren in dem Bundesstaat äußerst streng. Es soll nur noch fünf Gründe geben, um aus dem Haus zu gehen: für essentielle Besorgungen wie Lebensmitteleinkäufe, für die Arbeit, sofern diese als essentielle Tätigkeit eingestuft wird, für Arztbesuche und Angehörigenpflege, für Sport (maximal zwei Stunden am Tag), und um sich impfen zu lassen. Sport und Einkäufe müssen in einem Umkreis von maximal fünf Kilometern des Wohnorts erledigt werden oder so nah wie möglich. Nur eine Person pro Haushalt und Tag darf Einkäufe erledigen.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Zahl von 36 aktiven Fällen in dem Bundesstaat mit 6,7 Millionen Einwohnern erscheint dabei im internationalen Vergleich relativ niedrig. Nach Angaben des Bildungsministers und derzeit kommissarischen Ministerpräsidenten des Bundesstaats, James Merlino, verbreitet sich die Virusvariante  derzeit aber besonders schnell. „Hier in Victoria sehen wir nicht bloß, wie schnell, sondern auch wie ansteckend sie ist. In nur 24 Stunden haben sich die Fälle verdoppelt“, sagte Merlino. Er verwies auf andere Länder, die im Kampf gegen die Varianten schon gescheitert seien. Als Beispiel nannte er Taiwan, das lange Zeit gar keine oder nur wenige Fälle verzeichnet habe. Dort seien die Infektionen innerhalb von Tagen und Wochen plötzlich so hochgeschnellt, dass die Behörden Probleme hätten, sie unter Kontrolle zu bekommen. „Wenn wir jetzt die falsche Entscheidung treffen und zu lange warten, zu sehr zögern, dann läuft uns diese Sache davon und wir riskieren Leben“, sagte Merlino.

          Zu wenige Australier geimpft?

          Der Minister versicherte, dass die Behörden mit bisher beispiellosem Eifer auf der Suche nach bisher unentdeckten Infektionen seien. Allein am Mittwoch hätten sie mehr als 40.000 Personen getestet, mehr als je zuvor. Mehr als 10.000 direkte und indirekte Kontakte von Infizierten müssten in Quarantäne gehen oder getestet werden. Als einzigen Ausweg aus der Pandemie bezeichnete er die Impfung von möglichst vielen Menschen. In letzter Zeit war die Zentralregierung in Canberra wegen der langsamen Fortschritte im nationalen Impfprogramm kritisiert worden. „Wir wissen auch, dass die nationale Impfkampagne langsamer vorangeht, als wir gehofft hatten“, sagte der Minister, der zur Labor Party gehört, die in Canberra in der Opposition sitzt. „Wenn mehr Menschen geimpft wären, wäre die Sachlage womöglich eine andere. Leider sind sie es nicht“, sagte Merlino.

          Kritiker bemängeln, dass Australiens Regierung schon beim Erwerb von Impfstoffen wertvolle Zeit verloren habe. Außerdem war es zu Lieferengpässen gekommen. Hinzu kommt aber auch eine geringe Impfbereitschaft in der Bevölkerung. Umfragen nach will sich etwa ein Drittel der Australier nicht impfen lassen. Um die Vergabe von Impfstoffen zu beschleunigen, lässt Victoria von Freitag an nun Personen im Alter über 40 Jahre impfen anstatt wie bisher nur Menschen über 50.

          Wie der Minister berichtete, waren am Mittwoch an einem Tag 12.000 Personen geimpft worden, so viele wie noch nie in Victoria. Der lokalen Presse zufolge müssen die Impfzentren nach Wochen des mäßigen Interesses nun auf einmal mit einem Ansturm zurechtkommen. Eine Hotline zur Buchung von Impfterminen war am Donnerstag unter der hohen Nachfrage vorübergehend zusammengebrochen. Manche Impfzentren haben begonnen, auch ohne Termin Impfstoffe zu verabreichen. Vor einigen Zentren bildeten sich darauf lange Warteschlangen.

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