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Aus der Krise geimpft : Was wir von Chile lernen können

In Chiles Stadt Osorno warten ältere Bürger in einer Kathedrale auf eine Impfung gegen das Coronavirus. Bild: dpa

Noch vor Kurzem erschütterten soziale Unruhen das Land. Nun hat Chile eine der höchsten Impfquoten der Welt. Als Vorteil erweist sich just jenes liberale Wirtschaftsmodell, das zuletzt unter Beschuss stand.

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          Dieses Comeback hätte kaum jemand für möglich gehalten. Noch im Mai des vergangenen Jahre hatte Chile gemeinsam mit seinem Nachbarland Peru so viele Corona-Infektionen je Einwohner zu beklagen wie kein anderes Land der Welt. Und das wenige Monate nach dem Ausbruch sozialer Unruhen, die das Land erschütterten. Das lange als liberales Erfolgsmodell geltende Chile stand am Rande des Zusammenbruchs, die Zustimmungswerte für den konservativen Präsidenten Sebastián Piñera lagen im Keller. Kein Jahr später impft sich das Land aus der Krise. Wie ist das gelungen?

          Tjerk Brühwiller

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Im globalen Impf-Ranking belegt das südamerikanische Land aktuell Platz fünf. Seit Anfang Februar hat Chile schon etwa drei seiner 19 Millionen Einwohner, also etwa 16 Prozent der Bevölkerung, ein Mal geimpft. Und das Land drückt weiter mächtig aufs Tempo. Noch im ersten Halbjahr sollen 80 Prozent der Bevölkerung geimpft worden sein, bis Ende des Jahres alle Einwohner. Der Erfolg entspringt der politischen Krise, die das Land erlebt. Hunderttausende Chilenen waren Ende 2019 auf die Straße gegangen, viele kritisierten die soziale Ungerechtigkeit und den schlanken Staat. Im April werden die Chilenen eine Verfassunggebende Versammlung wählen, ein Erfolg der Protestbewegung. Im November wählen sie dann ein neues Parlament und einen neuen Präsidenten.

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