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Russland startet Massenimpfung : Langsam kreist der Sputnik

Golikowa vermied es, eine Zahl zu nennen, doch ließ sich ausrechnen, dass Russlands Corona-Totenzahl bis Ende November damit bei mehr als 186.000 liege statt bei bis dahin offiziell angegebenen 39.895, wodurch Russland hinter den Vereinigten Staaten und Brasilien mit Blick auf die Totenzahl auf den dritten Platz der traurigen Rangfolge käme.

Doch für Letztere hält Moskau weiter an den niedrigeren Angaben fest, für die nur als Covid-19-Toter zählt, wenn jemand im Krankenhaus stirbt, zu Lebzeiten positiv getestet worden ist und die Krankheit bei einer Autopsie als Haupttodesursache festgestellt wird.

Keine Zulassung für westliche Impfstoffe

Offiziell verzeichnet Russland derzeit um die 24.000 Neuinfektionen täglich, doch wie in der „ersten Welle“ der Pandemie werfen wieder etliche Zahlen Fragen auf. Dabei begegnet Russland der „zweiten Welle“ nur mit spärlichen Einschränkungen; die „Selbstisolation“ genannten Ausgangssperren des vergangenen Frühjahrs will niemand zurück. Die eigenen Impfstoffe sollen es richten, allen voran „Sputnik V“; westliche Impfstoffe sollen in Russland vorerst nicht zugelassen werden, demnächst nur ein chinesischer.

Doch wie schon die Versorgung der Covid-19-Kranken offenbart auch die Impfkampagne Russlands große regionale Unterschiede. Im privilegierten Moskau wurden die Kategorien der Impfberechtigten von besonderen Risikoberufen rasch auf viele Berufszweige ausgeweitet. In der Hauptstadt öffnen nun gar „Impfpunkte“ im prächtigen Kaufhaus GUM am Roten Platz oder in einer früheren Fabrikhalle mit schicken Restaurants.

Auch Ausländer können sich impfen lassen, wie in der Poliklinik in Nord-Butowo eine Lettin Anfang 40: Sie hofft neben mehr Sicherheit darauf, dank des Zertifikats, das man nach der Impfung erhält, eher wieder reisen zu können. Viel beachtet und im Staatsfernsehen mit Genugtuung zitiert wurde der Artikel eines amerikanischen Reporters der „New York Times“ über seine Entscheidung, sich in Moskau mit „Sputnik V“ impfen zu lassen, weil das Vakzin besser sei als sein von Russlands „Politik und Propaganda“ ramponierter Ruf im Westen.

„Skepsis gegenüber „Sputnik V“

Dabei ist Skepsis gegenüber „Sputnik V“ auch unter Russen verbreitet: Laut einer Ende Dezember veröffentlichten Umfrage des unabhängigen Meinungsforschungsinstituts Lewada-Zentrum möchten sich 58 Prozent nicht damit impfen lassen, 38 Prozent erklärten sich zur Impfung bereit. Abseits von Moskau und einer Handvoll weiterer Regionen hapert es noch an der Verfügbarkeit. Laut einer am vergangenen Donnerstag veröffentlichten Studie der Stiftung „Petersburger Politik“ war die Impfung im Dezember außer für Mediziner, Pädagogen und Soldaten, die sich impfen lassen können, in 50 der 85 (einschließlich der annektierten ukrainischen Krim) Regionen noch gar nicht zu bekommen.

Außer Moskau und dem Gebiet um die Hauptstadt schnitten nur drei weitere Regionen im Hinblick auf die Verfügbarkeit der Impfung gut ab. Zugleich verkündet der staatliche Investitionsfonds RDIF, der Entwicklung und Herstellung von „Sputnik V“ mitfinanziert hat, ständig neue, gigantische Zahlen zu Exportplänen in Dutzende Länder der Welt. Allein nach Brasilien sollen laut einer dieser Mitteilungen in den ersten drei Monaten dieses Jahres zehn Millionen Dosen „Sputnik V“ geliefert werden, Argentinien soll schon 600.000 Dosen erhalten haben, bis Ende März sollen es insgesamt 15 Millionen werden.

Dabei beziffert Alexandr Ginzburg, der Leiter des Moskauer Gamaleja-Instituts, das den Impfstoff entwickelte, Russlands Herstellungskapazitäten derzeit nur auf dreieinhalb Millionen Dosen im Monat. Die Lösung soll die Produktion im Ausland sein, in China, Indien, Südkorea und „anderen Ländern“. Nur aus Südkorea wurden laut RDIF schon Dosen geliefert, insgesamt sollen dort nun „mehr als 150 Millionen Dosen“ produziert werden. Auch Putin ist in die Suche einbezogen: Der Kreml teilte mit, der Präsident habe in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel Anfang Januar über „mögliche Perspektiven einer gemeinsamen Vakzin-Herstellung“ gesprochen.

Für den Kreml ist „Sputnik V“, das günstiger ist als westliche Impfstoffe, ein Instrument der „Soft Power“, der Imagepflege im Ausland. Das birgt Tücken, wenn es schief geht: So hat Ungarn, das 6000 Dosen „Sputnik V“ zum Test erhalten hatte, mitgeteilt, auf den Impfstoff zu verzichten, weil Russland nicht die zur Impfung der ungarischen Bevölkerung nötigen Lieferungen garantieren könne, und will seinen Bedarf über die EU und China decken.

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