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Impfkampagne in Palästina : Unterstützung im Interesse Israels

Medizinisches Personal am 2. Februar in Ramallah Bild: AFP

Die Frage, ob der israelische Staat auch für die Impfung der Palästinenser verantwortlich ist, hat für großen Streit gesorgt. Nun hat in Ramallah das Impfen begonnen. Das dürfte auch für die Israelis von Vorteil sein.

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          Zuerst wurde im Hugo-Chavez-Hospital von Ramallah geimpft. Das medizinische Personal in dem für Corona-Patienten vorgesehenen Krankenhaus gehörte zu den ersten Palästinensern, die das Vakzin der Firma Moderna erhielten. Palästinas Gesundheitsministerin Mai Al Kaila war zugegen, ließ sich ebenfalls impfen und kündigte an, dass ihre Behörde einen Teil der Impfstoffe auch in den Gazastreifen weitergeben werde. Ministerin Kaila sagte es nicht, doch geliefert worden waren die Ampullen aus Israel.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Die israelische Militärverwaltung hatte den Palästinensern am Montag zweitausend Dosen übergeben, nachdem das Kabinett in Jerusalem zuvor die Weitergabe von insgesamt fünftausend Dosen beschlossen hatte. Der Moderna-Impfstoff lagerte bereits weitgehend unangetastet in Israel, das mit dem Pfizer-Biontech-Vakzin bisher selbst ausreichend versorgt wird.

          Über den Covax-Mechanismus der Weltgesundheitsorganisation soll Palästina in zehn Tagen zudem 37.400 Dosen der Hersteller Pfizer-Biontech erhalten. Ende Februar dann sollen über Covax zudem zwischen 240.000 und 400.000 Dosen von Astra-Zeneca in den palästinensischen Gebieten ankommen, sagt WHO-Landesdirektor Gerald Rockenschaub. Über Covax sollen dann zwanzig Prozent der rund fünf Millionen Palästinenser geimpft werden, so Rockenschaub gegenüber der F.A.Z. Begonnen werden soll mit dem insgesamt hunderttausend Angestellte umfassenden Gesundheitspersonal.

          „Schritt in die richtige Richtung“

          Die israelische Lieferung sieht Rockenschaub als „Schritt in die richtige Richtung“ angesichts des „offensichtlichen Ungleichgewichts zwischen den palästinensischen Gebieten und der Erfolgsstory in Israel“. Jenseits der politischen Ebene laufe die technische Zusammenarbeit aber gut, seit die palästinensische Behörde ihre offiziellen Beziehungen zu Israel wieder aufgenommen hat, die sie nach den israelischen Annexionsankündigungen vom vergangenen Jahr ausgesetzt hatte.

          Über die Frage, ob der israelische Staat auch für die Palästinenser verantwortlich ist, hatte es wie üblich großen öffentlichen Streit gegeben. Zwar hatte die palästinensische Autonomiebehörde nach Ausbruch der Corona-Pandemie recht bald erklärt, sich selbst einen Impfstoff besorgen zu wollen und dies zu können, um die eigene Staatlichkeit zu beweisen. Nachdem Präsident Mahmud Abbas allerdings weder den russischen Präsidenten Wladimir Putin dazu bewegen konnte, rasch den Sputnik-Impfstoff in die palästinensischen Gebiete zu bringen, noch Gespräche mit den Pharmakonzernen fruchteten und auch der Versorgungsmechanismus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eher langsam anlief, betonten die Palästinenser dann die Verantwortung der Israelis.

          Rund 140.000 palästinensische Arbeiter sind in Israel beschäftigt

          Während die israelischen Siedler im Westjordanland geimpft wurden, blieben die Palästinenser im Westjordanland außen vor. Palästinenser zu impfen sei „Israels Verantwortung. Israels rechtliche Pflicht. Israels moralische Pflicht“, twitterte Husam Zomlot, der Botschafter in London. Israels Gesundheitsminister Juli Edelstein dagegen schimpfte im Sender BBC, für wen denn dann die palästinensische Gesundheitsministerin eigentlich zuständig sei: „Für die Delfine im Mittelmeer?“

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