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Macron will Lockdown vermeiden : In Frankreich wird jetzt auch sonntags geimpft

Einem Mann wird der Impfstoff von Biontech und Pfizer in einem Impfzentrum in Bayonne verabreicht. Bild: dpa

„Solange sich in den Kühlschränken die Impfdosen stapeln, gibt es keinen Lockdown“, kündigt Frankreichs Präsident Macron an. Aber viele Pflegekräfte wollen sich nicht impfen lassen. Die Regierung erwägt eine Impfpflicht für sie.

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          Impfen und Testen statt Schließen lautet die neue Strategie der französischen Regierung angesichts steigender Infektionszahlen. Ein Lockdown am Wochenende, wie er für die Hauptstadtregion im Gespräch war, bleibt vorerst Tabu. „Wir sind in einem Wettlauf gegen die Uhr“, sagte Premierminister Jean Castex gut drei Monate nach Beginn der französischen Impfkampagne und rief zur „Generalmobilmachung“ auch am Wochenende auf. Im Land der 35-Stunden-Woche ist das keine Selbstverständlichkeit. Die Impfzentren sollen von jetzt an auch am Samstag und am Sonntag geöffnet bleiben, Hausärzte dürfen ebenfalls am Wochenende impfen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Vom 15. März an dürfen auch Apotheker, Hebammen und Krankenschwestern die Impfungen vornehmen. Mit der „Blitzkampagne“ will die Regierung die Kontrolle über das Infektionsgeschehen behalten. „Solange sich in den Kühlschränken die Impfdosen stapeln, gibt es keinen Lockdown“, hat Emmanuel Macron beim jüngsten Corona-Sicherheitsrat im Elysée-Palast verfügt. Der junge Präsident soll sich sehr darüber ärgern, dass nicht mehr Franzosen geimpft werden. Besonders problematisch ist die Zurückhaltung der Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen. Nur jede dritte Pflegekraft hat sich bislang impfen lassen, „das ist nicht normal“, sagte Regierungschef Jean Castex bei einer Pressekonferenz am Donnerstagabend.

          „Das ist ein echter Skandal“

          Gesundheitsminister Olivier Véran sagte am Freitag im Fernsehsender BFM-TV, die Regierung erwäge eine Impfpflicht für Gesundheitsberufe, wie es sie für andere Erkrankungen wie Hepatitis B oder Tetanus bereits gebe. „400.000 Impfdosen von Astra-Zeneca für das Pflegepersonal haben noch keinen Abnehmer gefunden“, beklagte der Minister. Dabei stecken sich viele Menschen in Krankenhäusern an. Die französische Gesundheitsbehörde Santé public France hat in einer jüngsten Statistik 44.401 Fälle von Ansteckungen mit dem Coronavirus in Krankenhäusern nachgewiesen. Die Betroffenen waren wegen anderer Erkrankungen in Behandlung und haben sich im Krankenhaus infiziert.

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          „Das ist ein echter Skandal“, empörte sich François Chast vom Kinderkrankenhaus Necker in Paris. „Viele Ärzte und Pfleger kritisieren die Regierung wegen der schleppenden Impfkampagne, aber dennoch lassen sie sich nicht impfen“, bemängelte der Mediziner. In den sozialen Netzwerken melden sich unter dem Hashtag „Krankenschwestern in Wut“ Frauen zu Wort, die eine Pflichtimpfung als „Kriegserklärung an die Helfer in Weiß“ interpretieren. Sie wollten nicht als Versuchskaninchen für neue Impfstoffe herhalten. „Es ist problematisch, eine Impfpflicht zu verhängen, wenn es bedeutende Nebenwirkungen bei der Impfung gibt“, sagte Céline Laville vom Pflegeverband „Coordination nationale infirmière“. Sie behauptete, nach den Hepatitis-B-Impfungen sei es zu Fällen von Multipler Sklerose unter Pflegekräften gekommen.

          Keine landesweiten Inzidenzgrenzen

          An den französischen Schulen, die seit September geöffnet sind, soll verstärkt getestet werden. Bildungsminister Jean-Michel Blanquer kündigte 300.000 Speicheltests pro Woche an. In Frankreich sind die angenehmeren Speicheltests anders als in Deutschland von den Behörden anerkannt. Die Entscheidung Italiens, den Export von Astra-Zeneca-Lieferungen zu blockieren, billigte Véran. Auch Frankreich könne sich für einen Ausfuhrstopp entscheiden, sollten die vereinbarten Liefermengen nicht eingehalten werden. Es gehe jetzt darum, so viele Franzosen wie möglich zu impfen.

          Die Regierung hat vorige Woche eine Kehrtwende vollzogen und den Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers auch für Personen mit Vorerkrankungen über 65 Jahren freigegeben. Sie setzt seit Jahresbeginn auf lokal begrenzte Maßnahmen und hat anders als die Bundesregierung keine Inzidenzgrenzen festgesetzt. Der Premierminister sagte jetzt, dass es keinen exponentiellen Anstieg der Infektionen gebe. Das Virus breite sich langsamer aus als befürchtet. Die sogenannte britische Variante des Virus mache gut 60 Prozent der Infektionen aus, sagte Castex. Im Département Pas-de-Calais am Ärmelkanal dürfen die Bewohner am Wochenende nur noch maximal eine Stunde ihre Wohnung verlassen.

          In Dünkirchen wie auch an der Cote d’Azur von Menton bis Cannes wird mit diesen Wochenendbeschränkungen bereits experimentiert. Die dicht besiedelte Hauptstadtregion Paris und die Hafenstadt Marseille bleiben trotz vergleichbar hoher Inzidenzwerte von der Maßnahme verschont. Im Département Moselle an der Grenze zum Saarland und zu Rheinland-Pfalz werden sechs neue Testzentren eingerichtet, um Berufspendlern die Fahrt zur Arbeit nach Deutschland zu ermöglichen. Bewohner des Départements müssen ein negatives Testergebnis, das nicht älter als 48 Stunden ist, mit sich führen, wenn sie nach Deutschland reisen.

          Europastaatsekretär Clément Beaune verschaffte sich bei einem Besuch in Sarreguemines einen Eindruck von der Lage. Es sprach von einer „schmerzlichen Situation“. „Manchmal geht es um 500 Meter, die ein Kind von seiner Schule auf der anderen Seite der Grenze trennen“, sagte Beaune. „Die Aufregung über die Grenzkontrollen darf nicht in Wut oder Hass münden“, sagte er im Radiosender RFI. Er stehe im Gespräch mit den deutschen Behörden.

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