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Geberkonferenz für Impfstoff : Zeichen gegen „brutalen Nationalismus“

Der hohe EU-Beamte erläutert ihre Haltung zur Geberkonferenz so: „Von der Leyen hat diese Initiative gerade deshalb ergriffen, um einen brutalen Nationalismus in der Gesundheitsversorgung zu vermeiden.“ Man wolle stattdessen dafür sorgen, dass Tests, Medikamente und Impfstoffe „in großer Menge und zu erschwinglichen Preisen hergestellt und global verteilt werden können“. Man müsse sich deshalb schon am Anfang über einen „fairen Verteilungsschlüssel“ einigen. Hier zeichnete sich ein Konsens ab, dass Mitarbeiter im Gesundheitswesen zuerst behandelt und geimpft werden sollen – und zwar in allen Ländern.

„Die Regierungen müssen den Patentschutz aussetzen“

Was aber heißt „vertretbare Kosten“? Von der Leyen, Merkel und die anderen Mitgastgeber schrieben am Samstag in einem Gastbeitrag für die F.A.Z., ein Impfstoff, der „von der ganzen Welt für die ganze Welt produziert“ werde, werde „ein einzigartiges globales öffentliches Gut sein“. Das weckte bei Hilfsorganisationen hohe Erwartungen. „Es reicht nicht, wenn private Unternehmen mit viel öffentlichem Geld gefördert werden, sie einen Impfstoff dann aber mit hohen Gewinnmargen selbst vermarkten“, sagt Anne Jung, bei Medico International für globale Gesundheit zuständig ist. „Regierungen müssen den Patentschutz aussetzen, damit der Impfstoff überall auf der Welt schnell und günstig hergestellt werden kann. Nur dann kann er als echtes öffentliches Gut nach Bedarf statt nach dem Geldbeutel der Käufer verteilt werden.“ Medico und Dutzende weitere Hilfsorganisationen appellierten vor der Konferenz in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin: „Egoistische Interessen von Staaten oder Gewinnerwartungen von Firmen dürfen nicht über das Leben von Menschen gestellt werden.“   

Das ist freilich nicht der Ansatz der Geberkonferenz. „Wir werden nicht vertraglich von den Geschäftspartnern verlangen, dass sie auf Patente verzichten. Wir erwarten aber, dass sie sich dem Ziel verschreiben, einen Impfstoff zu vertretbaren Kosten universal verfügbar zu machen“, sagte der EU-Beamte. Man wolle Wettbewerb, Zusammenarbeit und Solidarität „versöhnen“.

Zwei Allianzen zur Entwicklung von Impfstoffen

Die Mittel zur Entwicklung eines Impfstoffs gehen an zwei Allianzen, die selbst auf öffentliche Partnerschaften mit privaten Unternehmen setzen. Die Impfallianz Gavi wurde 2000 von der WHO, der Weltbank und anderen Akteuren gegründet. Sie setzt auf einen kontrollierten Wettbewerb und hat früher schon Herstellern in Schwellenländern feste Preise für erste Chargen zugesagt, damit sie selbst Impfstoffe entwickeln. Die Koalition für Innovationen zur Vorsorge bei Epidemien, kurz Cepi, formierte sich 2017 beim Weltwirtschaftstreffen in Davos. Sie will insgesamt zehn Projekte zur Impfstoffentwicklung fördern; mit CureVac hat sie schon einen Vertrag geschlossen.

In beiden Allianzen spielt die Stiftung von Bill und Melinda Gates eine wichtige Rolle. Auch bei der neuen Initiative ist das so. Melinda Gates, die Ehefrau des Microsoft-Gründers, wendet sich am Montag direkt an die Teilnehmer der Geberkonferenz. So ist Amerika dann doch noch vertreten, wenn auch nicht durch seine Regierung.

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