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Mit chinesischem Impfstoff : Warum Indonesien zuerst die Jungen impft

Beerdigung eines an Corona Verstorbenen in Medan, Indonesien, am 11. Januar. Bild: EPA

Indonesien ist das erste Land außerhalb Chinas, das den Impfstoff Coronavac zur Immunisierung großer Bevölkerungsteile einsetzt. Dabei steht der Staat vor einer besonderen logistischen Herausforderung.

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          Der Arzt, der die Spritze verabreichte, war sichtlich nervös. Mit zitternden Händen setzte er die Nadel in den Oberarm des indonesischen Präsidenten. Joko Widodo war der Erste in dem südostasiatischen Land, der sich am Mittwoch mit dem Impfstoff Coronavac des Pharmakonzerns Sinovac Biotech impfen ließ. Damit wollte er ein Zeichen setzen, dass der aus China stammende Impfstoff sicher ist. Zuletzt hatte es Verwirrung um das chinesische Vakzin gegeben, da unterschiedliche Testläufe in mehreren Ländern zu äußerst unterschiedlichen Ergebnissen über dessen Wirksamkeit gekommen waren.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Mit seinem Einsatz setzte der Präsident den Startschuss für eine der größten Impfkampagnen weltweit. Indonesien ist mit 268 Millionen Einwohnern das viertbevölkerungsreichste Land der Erde. Die Regierung hofft, 181,5 Millionen Menschen gegen das Coronavirus zu impfen und damit Herdenimmunität zu erreichen. Sie sieht darin den Weg aus der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Krise. Indonesien ist in Südostasien mit Abstand das Land mit den meisten Corona-Fällen. Am Mittwoch wurde abermals ein Höchstwert von 11.278 Neuinfektionen verzeichnet, die Gesamtzahl der bereits Infizierten erreicht damit mehr als 858.000.

          Während in Europa bei den Impfstoffen aus China Skepsis herrscht, hat Indonesien sich frühzeitig den Zugriff auf Coronavac gesichert. Am Montag hatte die nationale Arzneimittelagentur die Notfallzulassung für den Impfstoff erteilt. Von den drei Millionen schon gelieferten Dosen sind zum Impfstart 1,2 Millionen in den Provinzen verteilt worden. Indonesien ist nun das erste Land außerhalb Chinas, das den Impfstoff zur Immunisierung großer Bevölkerungsteile einsetzt. Beobachter befürchten, dass China sich angesichts des geopolitischen Machtwettbewerbs mit seiner Impfdiplomatie in dem Land zusätzlichen Einfluss sichern könnte.

          Indonesien gehört zu den Staaten, die zwar in keinem direkten Konflikt mit China stehen, denen die chinesischen Machtambitionen aber durchaus Kopfschmerzen bereiten. Für China ist der Impfstart in Indonesien deshalb ein großer diplomatischer Erfolg, auf den es in Zukunft nun auch gegenüber potentiellen anderen Interessenten verweisen kann. Nicht ganz zufällig empfing Widodo am Tag seiner Impfung auch den chinesischen Außenminister Wang Yi in seinem Präsidentenpalast.

          Die Wirtschaft soll wieder auf Betriebstemperatur gebracht werden

          Eine Besonderheit liegt außerdem in der Strategie Indonesiens, nicht wie in den meisten anderen Ländern zunächst Alte und besonders Gefährdete zu impfen, sondern Menschen im arbeitsfähigen Alter von 18 bis 59 Jahren. Die Regierung setzt darauf, dass die Wirtschaft damit schneller wieder auf Betriebstemperatur gebracht werden kann. Außerdem gibt es noch nicht genug Daten darüber, wie sicher der Impfstoff vor allem für ältere Menschen ist und wie lange der Impfschutz bei ihnen hält. Mit seinen 59 Jahren war Präsident Widodo gerade noch für die Impfung qualifiziert.

          Sein Arzt Abdul Muthalib gestand später vor Journalisten ein, dass er tatsächlich etwas aufgeregt gewesen sei, als er die Spritze gesetzt hatte. Nun sollen in den kommenden Wochen zunächst 1,4 Millionen Menschen aus dem Gesundheits- und Pflegebereich geimpft werden, danach sind die Mitarbeiter der Behörden an der Reihe. Innerhalb von 15 Monaten sollen dann die anderen Impfungen erfolgen. Das ist ein ziemlich ambitionierter Plan, allein schon aufgrund der logistischen Herausforderungen in dem Staat, der aus insgesamt mehr als 17.000 Inseln besteht.

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